Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 13 (1866-1867)
- Issue
- Heft 8 (Mai 1867)
- Article
- Von den Beziehungen der allgemeinen Bildungselemente zu der speciell jüdischen Bildung
- Date
- 1867-05-01
- Page
- 258 (sequence 6)
- Language
- German
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258 Bon den Beziehungen de« allgemeinen beklagen 'müssen wir es, daß eS so gekonnt׳», daß die mit Anfang des Jahrhunderts sich vollziehende sociale Wiedergeburt der jüdischen Nation diese unter so überraschenden nnd wel!erschütternden Ereignissen aus ihrer Abgeschiedenheit in die Strömung der neuen cnropäischcn Bildung versetzte, daß nach beiden Seiten hin die Besinnung schwand. Dürfen cs beklagen, daß die Genossen der damaligen jiibischen Zeit sich das Bewußtsein der so reichen und tiefen Gedankensülle und Gcdankcnklarheit rauben ließen, die das Judenthum so in Wissenschaft wie im Leben charaktcrisiren, und die am wenigsten als ein Gegensatz zu dem ächten Kern alles wahrhaft Guten und Wahren in der Bildung aller Zeiten hätten begriffen werden können. Wir dürfen es beklagen, daß die eminenten Heroen jüdischer Geistesbildung, an denen jene Zeit keineswegs arm gewesen, durch die Abgeschiedenheit von d-n allgemeinen Gcistesbcstrcbungen, die ihnen die politische Stellung ihres Volkes äüfgcnolhigt hatte, verhindert wären, diese Geistcsbcstrcbungcn selbstprüfend kennen zu lernen. Sie hätten rasch mit ihrem nicht geringen GcistcSblick das Wahre und Gute der allgemeinen Bildung als einen den jüdischen Anschauungen durchaus verwandten Geist mit Freuden begrüßt nnd wären auch hierin voranlcuchtend die Ersten gewesen, diesem Wahren und Gutcn aller ächten Bildung auch im Kreise der Ihrigen eine heimische Stätte zu bereiten. Wir dürfen es beklagen, daß man einen Gegen-- sätz, der in anderen coufessionellen Gebieten seine natürliche Berechtigung sinden mochte, so ohne Weiteres in das Gebiet des Judenthums übertrug, ohne zu prüfen, in wie weit er denn auch hier eine Geltung habe, und ohne sich zu fragen, ob nicht bei der Eigenthümlichkcit deS jüdisch religiösen Momentes ein solcher Gegensatz auf seinem Gebiete bedeutend an Schärfe verliert. In der That ist die Stellung, die das Judenthum zu allen andern religiösen Bekenntnissen nnd allen menschlichen Erkenntutßbestrcbungen überhaupt cinnimmt, eine von allen andern Religionen sich wesentlich unterscheidende. Es ist wohl die einzige Religion, die nicht spricht: extra me nulla salus, die mit Freuden jeden Fort-;schritt in Erleuchtung und Güte begrüßt, wo und wie immer, und '!durch welches Medium er sich erzeuge, ja, die auf diese immer großer, immer Heller, immer allgemeiner werdende geistige und sittliche Veredlung der Menschheit ganz eigentlich durch das Prophetenwort