Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 13 (1866-1867)
- Issue
- Heft 7 (April 1867)
- Article
- Risse
- Date
- 1867-04-01
- Page
- 246 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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246 Nisse. Haus, deren Erziehung die geistvolle Mutter sich widmete, und threu Gatten hiedurch zum glücklichsten Vater machte — Das Versprechen, das er dem Geiste seines Vaters geleistet, hatte er im ausgedehntesten Sinne gehalten. Sein Geschäft, sein Haus, seine Familie, sein ganzes Leben war ein echt jüdisches. Die kleinen Schwarz waren ganz außer sich über die schone freundliche Cousine, die sie jetzt zum ersten Male sahen, und konnte» es sich gar nicht denken, daß sie die Schwester des jungen den Menschen sei, den sie als ihren Cousin kannten. Am Nachmittage des folgenden Tages trat die Tochter, in Begleitnng ihres Onkels in das Hans ihres Vaters. ״Der Herr ist beim Speisen," hatte der Bediente gesagt, aber er hatte cs doch nicht gewagt, den Bruder seines Herrn abzuweisen, wie es ihm bei gewöhnlichem Besuch zur Pflicht gemacht war. Philipp hatte jedoch sein Mahl schon beendet, als er die Thüre sich öffnen, und Jakob in Begleitung einer jungen schonen Dame in's Zimmer treten sah. Mit seltener Herzlichkeit begrüßte er den Bruder, und indem sein Auge voll Bewunderung die schone Fremde musterte, bat er sie höflich, sich auf den Divan niedcrznlassen und rückte einen Sessel für sich nahe zu ihr hin — Nun erst bat er um Namen und Veranlassung des ihn so sehr ehrenden Besuches. Helene erröthete, mit schüchternem Lächeln hob sie den Blick ״kennt mein Vater die Tochter nicht?" flüsterte sie. ״Was?" rief Philipp aufspringend, ״Sie— Du meine Tochter? Helene! schönes süßes Kind!" und er eilte auf sie zu und drückte das bebende Mädchen an seine Brust, und einen Kuß auf ihre Lippen. Jakob blickte voll Theilnahme auf den Bruder, dem er so viel väterliches Gefühl kaum zugetraut hatte — Philipp konnte sich nicht satt sehen an dem schonen Mädchen. ״Nein," rief er, ״ich kann es noch gar nicht fassen, daß diese reizende junge Dame mir gehört, meine Tochter ist. Sieh doch nur Jakob, diese wundervoll glühenden und doch so träumerisch blickenden Augen, diese blendende, durchsichtige und doch so blühende Haut, das reizende Näschen und zu dem allen das bezaubernde Lächeln,