Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 13 (1866-1867)
- Issue
- Heft 7 (April 1867)
- Article
- Risse
- Date
- 1867-04-01
- Page
- 244 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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244 Risse. Die Liebenden waren nun verlobt. Frau Schwarz hatte mit Freuden die Hand ihrer Tochter in die des Mannes gelegt, den sie liebte, und den auch die Mutter kannte und schätzte — Helenens Glück schien gesichert, die Familie Blum nahm den herzlichsten Antheil an diesem freudigen Ereigniß, nur Viktor schüttelte den Kopf, denn er war der Erste, der bedachte, daß Helene zu ihrer Verbindüng mit Moritz auch der Einwilligung ihres Vaters bedürfe, und daß dieser, wie er ihn kannte, schwer zu bewegen sein werde seine Einwilligung zu geben. Vorläufig schwieg er indessen, um weder seine Schwägerin noch das Brautpaar unnöthtger Weise zu beunruhigen. Doch als ehemaltger Vormund de Menza's richtete er ein höfliches Schreiben an seinen Schwager, worin er für seinen Pflegesohn um Helenen's Hand anhtelt, und hinzufügte, daß Moritz Inhaber eines blühenden Geschäftes, und daß die jungen Leute mit inniger Neigung einander zugethan schienen — Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten, und entsprach vollkommen Viktor's Befürchtungen. Philipp hegte noch immer denselben Haß gegen seinen ehemaligen Commis, und wollte daher von einer Verbindung seiner Tochter mit demselben nichts wissen. Das war ein harter Schlag für die Verlobten. Vergebens ent- ׳ schloß sich Frau Schwarz, so schwer ihr dies auch wurde, an ihren Gatten zu schreiben und ihn um seine Einwilligung zu bitten, vergebens flehte Helene in den rührendsten Briefen ihn darum an; der .harte Mann blieb unbeweglich. Da gerieth Edmund auf die Idee, ob es nicht vielleicht Helene gelingen könnte des Vaters Widerstand zu besiegen, wenn sie sich persönlich zu ihm begeben würde, um seine Einwilligung zu erbitten. Er hatte sie seit ihrem sechsten Jahre nicht gesehen, vielleicht würde er dem Flehen des zur blühenden Jungfrau herangereiften Kindes nachgeben. Voll inniger Liebe blickte die Mutter, gegen die er diese Ansicht geäußert hatte, auf den Sohn, ״Mein hochherziger Edmund, du wünschest zu Helenens Verbindung beizntragen?" Edmund erröthcte, ״erinnerst Du Dich noch liebe Mutter," erwiederte, er eine Art Heiterkeit im Ton erzwingend, ״wie Adele vor mehreren Jahren, als sie in der Schule gehört, daß es edel sei Böses mit Gutem zu vergelten, wie sie da stets wünschte, es