Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 13 (1866-1867)
- Issue
- Heft 7 (April 1867)
- Article
- Risse
- Date
- 1867-04-01
- Page
- 243 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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- IRI
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Von S ... 243 konnte um ihre Hand zu bitten — £), ich habe sie geliebt so lange ich denken kann — nun gehört sie einem Andern, uub meine Liebe zu ihr wird ein Verbrechen!,— Aber gestern Abend, da habe tcksis zum ersten Male bemerkt, als sie so unbefangen mit mir plauderte, mit welcher Innigkeit Moritzens Blicke sie verfolgten. Es machte das Blut mir sieden und die ganze Nacht und den ganzen Tag hatte ich diesen Blick stets vor Augen — vergebens versuchte ich zu arbeiten, ich vermochte keinen klaren Gedanken zu fassen, diese Blicke verfolgten wich unaufhörlich. Darum faßte ich so eben den Entschluß mich Dir anzuvertrauen Mutter, und Deinen Rath, Deine Hülfe zu erbitten und nun! — und nun —" Er bedeckte mit den Händen das Gesicht, um die sich hervordrängenden Thränen zu verbergen — Die Mutter zog sein Haupt an ihre Brust und drückte einen innigen Kuß auf seine glühende, klopfende Stirn. Schweigend verstrichen mehrere Mtnrlten. ״Sei ein Mann mein Sohn," begann sie dann, ״und ertrage männlich die schwere Prüfung, die ja nicht der Zufall, die des Allgütigen Liebe dir auferlegt." Langsam richtete Edmund sich auf, ״ja ich will ein Mann sein, ein Jude," sprach er in festem, wenn auch leisen Ton, ״Mißverstehe meine Thränen nicht Mutter, ich habe den süßesten Jugendtraum begraben, und feinem Andenken gelten meine Thränen. Jetzt bin ich ein Mann, ein jüdischer Mann, und werde nie vergessen, daß jeder Gedanke an sie jetzt Sünde ist - Ich muß sie vergessen und ich werde es — Aber nur um eines möchte ich Dich ersuchen liebe Mutter, laß Helene nie erfahren, was ich für ste empfinde und auch Moritz nicht, es könnte ihr Glück trüben, und sie verdienen so sehr glücklich zu fern/' Staunend blickte die Mutter zu ihm auf, sein Antlitz war zwar noch sehr blaß, aber vollkommen rnb'g und auch seiner Stimme merkte mau keine Aufregung mehr an. ״Ich bin stolz auf dich mein Sohn." Ein schmerzliches Lächeln glitt über die bleichen Züge des jungen Mannes. ״Noch sei es nicht, liebe Mntter," flüsterte er, ״aber ich hoffe Du darfst es einst sein."