Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 13 (1866-1867)
- Issue
- Heft 7 (April 1867)
- Article
- Sir Moses Montefiore's Bericht über seine Sendung in's heilige Land
- Date
- 1867-04-01
- Page
- 236 (sequence 3)
- Language
- German
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236 Sir Moses Montesiore's Bericht Zu dem Touro'schen Hospital gehören zwei Synagogen, eine für die Sefardim, die ich schon gesehen hatte, und eine für die Aschkenasim, welche ich jetzt besuchen wollte. Auch bei dieser Gelegenheit machte ich die Erfahrung, daß die dortigen Frauen nicht blos in der Führung ihres Haushaltes und in Handarbeiten sehr tüchtig sind, sondern auch theilweise recht viel im Hebräischen wissen. Eine mir zufällig begegnende junge Frau las mit großer Fertigkeit mir einige Stücke aus dem Buch der Psalmen vor, wovon sie ein Eremplar mit jüdisch-deutschem Commentar bei sich hatte. Eine andere Frau, welche bei mir um Unterstützung nachsuchte, redete uns zu unserem größten Erstaunen in fließendem Hebräisch an. Es war dies eine geborene Portugiesin und Wittwe eines Deutschen, des Rabbi Esriel Cohen. Ueberhaupt machte ich die Bemerkung, daß Heirathen zwischen Sefardim und Aschkenasim nicht mehr zu den Seltenheiten gehören. Bald nach dem Abendgebete nahte sich meinem Hause ein langer Zug mit Fackeln und Musik um meine Wohnung zu illuminiren, als Zeichen der Anerkennung gegen die hochherzigen Menschenfreunde, in deren Namen ich gekommen war, wie mir der Führer der Deputation Herr Selig Hausdorf erklärte. In der niedergedrückten Stimmung, in der ich mich befand, konnte ich die beabsichtigte Illumination nicht zugeben, empfing aber meine freundlichen Gäste auf's Wohlwollendste. Samstag, den 8. April, begab ich mich in Begleitung des vr. Loewe frühzeitig auf den Weg, um den Oelberg zu besteigen. Wir gingen durch das Thor von Damaskus, passtrten das Thor von Jeremias, die Gräber der Könige und das Bab-el-Asbath; von da durchschnitten wir das Thal von Ktdron und bestiegen den höchsten Gipfel des Oelberges. Von hier aus konnten wir das todte Meer und die wüste Landschaft der Hügel von Moab sehen. Von einem etwas tiefer gelegenen Punkte aus genossen wir eine schöne Perspektive der Moscheh von Omar, dem Platze, wo einst unser heiliger Tempel gestanden hat. Von da stiegen wir in's Thal Josaphat hinab, wo uns der Scheck des Dorfes Stlnan, Kasin, begegnete und uns viel von den Leiden der Juden während der Cholera erzählte. Ein anderer Scheck pries uns die Aufopferung, mit der in vielen Fällen während der Dauer der Epidemie die Juden ihren Brüdern zu Hülfe gekommen waren. Dieser Scheck und noch ein anderer Beam-