Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1867-03-01 · Heft 6 (März 1867) · p. 192

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
13 (1866-1867)
Issue
Heft 6 (März 1867)
Article
Die pathologische Anatomie des Talmud
Date
1867-03-01
Page
192 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2932754-2932974-2932981-2950608--10511-2950632
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

292 Die pathologische Anatomie des Talmud. tigkeit, sondern bietet auch für die Kenntnis! der talmudisch-medizinischen Praxis und Theorie so diele interessante Momente dar, daß wir üicht Umhin können es ausführlicher zu betrachten. Rabbi Nathan, so wird das Faktum berichtet, reiste einst in der Meeresgegend, da kam eine Frau zu ihm die schon zwei Söhne nach der BcschNeidung verloren hatte, und brachte den dritten zu ihm. Als er das Kind näher in Augenschein nahm, sah er, daß es in hohem Grade roth war. Er nahm einen Circulationsfehlet als Ursache an, indem das Blut stch an der Perifcrie des Körpers augesammelt hätte, und gab der Frau den Rath zü warten, bis das Blut sich mehr in das Innere des Körpers vertheilt haben würde. Man folgte seinem Rathe, beschnitt das Kind erst später, cs blieb am Leben und erhielt znm Andenken den Namen Nathan Hababli. Ein anderes Mal auf einer Reise nach Kapadocien begriffen, brachte eine Frau, der ebenfalls schon zwei Söhne nach der beschneidüng gestorben waren, ihren dritten zu ihm und bat um seinen Rath. Als er das Kind näher betrachtete hatte es eine blaffe, ins grünliche spielende Hautfarbe*). Er untersuchte deßhalb sehr genau und kam zur Ueberzeugung, daß bei einem Einschnitte kein Blutaüstritt erfolgen würde. Er nahm deßhalb einen großen Mangel an Blut als Ursache der abnormen Hautfarbe an und vermuthete, daß dieselbe Krankheit den Tod der beiden Brüder herbeigeführt; er gab der Frau deßhalb den Rath mit der Beschneidung zu warten bis sich mehr Blut im Körper gebildet haben würde. Sie wartete deßhalb und ließ den Knaben erst später beschneiden; er blieb am Leben und erhielt ebenfalls aus Dankbarkeit den Namen seines scharfsinnigen ArzteS. Betrachte» wir diese beiden interessanten Fälle näher, so bieten sich uns zur Erklärung des ersteren, wo eine abnorm rothe Farbe der Haut vorhanden war, vor allem zwei Möglichkeiten dar. Entweder haben wir es mit einem jener seltenen Fälle zu thun, wo der AihMüngsprozeß nicht gehörig iir Gang gekommen, deßhalb sich der *) Man kann stch unter ראיתי שהי' ירוק, nicht vorstellen, daß das Kind eine gesättigte grüne Farbe über den ganzen Körper dargeboten hätte, muß es vielmehr «ie oben annehmeN.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.