Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 13 (1866-1867)
- Issue
- Heft 6 (März 1867)
- Article
- Die fünfzehn altjüdischen "Aufwärts"-Lieder
- Date
- 1867-03-01
- Page
- 183 (sequence 3)
- Language
- German
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11. Die Schuld. 183 Standarte der Hoffnung auf; eben Das, was dem Wahne der Andern jedes Band der Wiederkehr durchschneidet, läßt dem jüdischen Gemüthe den Gottcsgedanken als Rettungsscil bis in die tiefste Tiefe des Schuldbewußtseins hinabreichen und selbst in die Nacht dieses Abgrundes den Strahl der Hoffnung htneinlenchlen. Daß ich dich ״meinen Herrn" nennen kann, daß ich meine Vergangenheit an dem Maß deines Willens messen muß, daß mich mein Bewußtsein vor den richtenden Herrenblick deines Auges ladet, gerade das gtebt mir die durch nichts wegzutilgende Gewißheit, daß du so gütig als gerecht, so liebevoll verzeihend als unbestechlich richtend, so allmächtig erlösend als allmächtig gebietend sein müssest, und unter dem Strahle deiner Allmacht es keine Vergangenheit gebe, die die Zukunft unwiderbringlich verloren sein lassen müsse. Wie du ewig mein Herr, so singt der Geist dieses Liedes, so bleibe ich ewig dein Diener, ewig zu deinem Dienste berufen, ewig berufen wieder aufs Neue mich in den Chor deiner Diener einzureihen, nimmer bestimmt im gramvollen Rückblick auf eine verlorene Vergangenheit mich unfrnchtbar zu verzehren, immer eben durch den Gedanken deiner Herrschaft aufs Neue zur Lösung meines Dienerberufes geweckt, und aus der Tiefe meines Schuldbewußtseins selbst den Born meiner Zukunft schöpfend. 3. Wenn das Gesetz eherner Nothwendigkeit, auf welches Gott die Vergangenheit und Zukunft aller übrigen Wesen gebaut, und das mit wandelloscm Gange Ursache und Wirkung, Zukunft und Vergangcnheit, wie Frucht aus der Saat, verknüpft, auch ausschließlich für die Entfaltung des Menschenlebens, für Vergangenheit und Zuxunft des Menschen seine Geltung haben sollte, wenn Gottes Weltregierung — und die bezeichnet in mächtigster Potenz der Gottesname, den der erste Satz dieses Verses nennt, — die Abweichungen von dem geraden, dem Menschen gesetzten Ziele, mit dem eisernen Zwange des Causalitätsgesetzes bewahrt bleiben, und Böses aus Bösem und Schuld aus Schuld immer fortwuchernd erzeugt werden ließe, Herr, wer würde in Deinem Dienste bestehen, ja, wo bliebe das Menschengeschlecht für den Mcnschendieust des Herrn, wer zählte noch zu den ״Stehenden vor dem Herrn!" — Indem Gott nicht Engel — die immer ״wohin der Geist die Fährte weist, wandeln und nimmer abweichen in ihrem Wandel" — indem Gott Menschen in den Dienst seiner Erdenwelt berief, 11*