Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 13 (1866-1867)
- Issue
- Heft 3 (Dezember 1866)
- Article
- Die fünfzehn altjüdischen "Aufwärts"-Lieder
- Date
- 1866-12-01
- Page
- 77 (sequence 5)
- Language
- German
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7. Die träumenden Säer. 77 schon ans Erden die Stätte bereitet, in deren beseligender Nähe unh unter deren erleuchtendem und segnendem Strahl ein Leben voller Seligkeit in Mitten aller Sorgen sich entfaltet. Sie hatten die Saat allgemeiner ״Menschcnbildung" zu streuen, indem sie in Mitten einer mehr und minder durch Barbarei- und Culturabstnfung sich charakterisirenden Welt ein Volkesleben lebten, in welchem das Gebiet des Geistes kein ״Hoch" und ״Niedrig" kannte, in welchem zum Antheil an einer geistigen Nationalbtldung und zur Pflege einer Nationalwissenschaft Jeder Sohn des Volkes berufen war; welchem Das, was man in andern Kreisen den ״Beruf" nannte, als das rein Zufällige erschien, einen Anspruch auf die höchste Geistesbildung ein Jeder hatte, sittigende Geistesbildung unzertrennbar von der allgemeinen Menschen-Würde und allgemetnen Menschenbestimmung war, und dieses Leben im Gebiete des Geistes alle Unterschiede ausglich, in welche sonst die verschiedenen Loose des Geschickes die Eine Menschcngesellschaft kliistet. Sie hatten die Saat beglückender ״Häuslichkeit" zu streuen, indem sie, getragen von reiner Sittlichkeit und vom Geist der Pflicht und der Liebe, ein Gatten- und Familien-Lcben zu verwirklichen hatten, das durch die Treue und Innigkeit, durch die opferfreudige Hingebung und Anhänglichkeit ein Gatten-Leben, ein Leben der Eltern mit den Kindern, ein Leben der Geschwister mit Geschwistern, ein Leben für Eltern, für Kinder, für Geschwister erzeugte, das selbst einer sonst verkennenden Welt bcneidenswerth in die Augen leuchtete. Sie hatten die Saat eines ״autonomen Gemeindelebcns" zu streuen, indem sich in ihrem Gemeindelcben das Musterbild eines Verfassungslebens darstellte, in welchem das Gesetz unantastbar über Allen in gleicher Mächtigkeit schwebte, gegen dessen Verwirklichung Niemand Etwas, für dessen Verwirklichung Jeder mit dem Gewichte seiner Stimme einzutreten vermochte, alle Autorität im Schoße der Gesammtheit beruhte und nur durch Uebertragung, kraft Vollmacht, und so weit diese Vollmacht reichte, geübt werden konnte. Sie hatten die Saat einer gegenseitig helfenden ״Bruderliebe" zu streuen, die, nicht von den wandelbaren Regungen mitleidigen Mitgefühls, die, getragen von dem unwandelbar ernsten Diktate der Pflicht, in jedem leidenden, jedem hilfsbedürftigen, jedem wankenden