Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 13 (1866-1867)
- Issue
- Heft 2 (November 1866)
- Article
- Risse
- Date
- 1866-11-01
- Page
- 66 (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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den Tage abzureisen gedenke, doch hatte sie dem Drängen derselben nachgegeben und ihre Abreise noch um etmgeAagc später bestimmt, um so mehr, als sie sich erst jetzt ihres ihrer Schwägerin gegebenen Versprechens erinnerte. Doch nach den Vorfällen der jüngsten Vergangenheit, schien es ihr unmöglich, persönlich mit ihrem Bruder zu reden; sie entschloß sich daher Viktor darum zu ersuchen. Jetzt erst fiel es ihr auf, daß sie während der ganzen Zeit ihres Aufenthalts im väterlichen Hause, ihrer Schwägerin Zda noch nicht einmal hatte erwähnen Horen, auch ihre. Kinder hatte sie nicht gesehen und Philipp hatte sich nicht einmal bei ihrer Ankunft nach seiner Frau erkundigt. Jakob hingegen sprach oft von seiner Frau, die er mit leidenschaftlicher Zärtlichkeit fast vergötterte, er blickte hin ׳ aus zu ihr, die ihn freilich sowohl an Geist als an Charakter bei weitem überragte. Sie war eine geistvolle fromme Frau und auch ihrem ׳Manne j von ganzem Herzen zugethan und als sie ihn jetzt, nach dem Tode j seines Vaters so zerknirscht, so gebrochen fand, da erblickte sie hierin j nur sein 'weiches liebendes Herz, wie er es ihr gegenüber immer 5, gezeigt; und sie verdoppelte ihre liebevolle Zärtlichkeit für ihn — doch diese Zärtlichkeit, die ihn stets so innig beglückte, jetzt drückte sie ihn oft nur »och mehr danieder; denn er war sich bewußt, daß sie sein! Benehmen gegen seinen sterbenden Vater auf's Tiefste verabscheuen? würde. Und wenn sic nun oft den weichen Arm um seinen Nacken! legte, dann durchzuckte ihn der Gedanke, wüßte sie was ich gethan,! ne würde mich zurückstoßen, und er stöhnte laut. . \ Die arme Frau beunruhigte sich ernstlich über das seltsame Wefen ihres Gatten, seiiMTrauer verstand sich daß aber ihre Zärtlichj feit sie zu vermehren schien, das vermochte sie nicht zu begreifen׳— j Sie klagte Rosa ihr Leid, doch diese beruhigte sie und in der That jj gelang es dem zarten liebevollen Zureden der Schwester, den tief. | Gebeugten anszurichten; sic kannte ja fein Vergehen und wenn sie j dennoch ׳so herzliche Theilnahme für ihn zeigte, so durfte er wohl | annehmen, daß seine aufrichtige Neue es sühne.! Mit inniger Freude hatte seine Frau das Gelöbniß vernom-! men, das er am Sterbetage seines Vaters ausgesprochen. Das hatte z er ihr gleich mitzetheilt, denn er kannte ihren frommen Sinn und! wußte, daß sie ihn in solchem.Entschlüsse nur bestärken werde. Sie!