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Jeschurun · 1866-11-01 · Heft 2 (November 1866) · p. 65

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
13 (1866-1867)
Issue
Heft 2 (November 1866)
Article
Risse
Date
1866-11-01
Page
65 (sequence 24)
Language
German
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Von «... 65 ״Wo ist denn Edmund?" fragte sie endlich und blickte suchend umher, ״ich habe ihn schon so lange nicht gesehen." ״Ich traf ihn auf der Stiege, als ich ankam," erwiederte Viktor, ״er hatte meine Stimme erkannt, als ich im Herauskommen mit Friedheim sprach und da war er hinunter gestürzt und mir geradezu in die Arme gesprungen.". Eben ward die Thür leise geöffnet und das verstörte Angesicht des Knaben zeigte sich. Die Großmutter hatte ihm erzählt, daß seine Mutter so schrecklich weine und ihm ihre Besürchtuugen mitgetheilt. Der Knabe theilte sie vollkommen und war erschrocken zu dem Zimmer geeilt, in dem er seine Eltern wußte. Lange hatte er jedoch vor der Thür gestanden, ohne es zu wagen sie zu öffnen und schüchtern und ängstlich blickte er jetzt hinein. Der Vater winkte ihm und auf den Fußspitzen schleichend nahte er den Eltern. ״Ist dir jetzt besser liebe Mama?" fragte er, indem er besorgt ans sie blickte. Die Mutter bejahte mit stummen Kopfnicken und reichte ihm die Hand. Er hielt sie fest und streichelte sie leise und an den Vater sich lehnend, fragte er nach den Geschwistern und ihrem Befinden — Viktor erwiederte, daß alle Wohl und munter seien, sich aber nach der Mama und dem Bruder sehnten. Er erzählte von den Kleinen, wiederholte manche ihrer kindli-- chen Aeußerungen und suchte Rosa's Gedanken wenigstens für den Augenblick von dem schweren Verlust, der sie getroffen, abznlcnken. Es gelang ihm, und während er sprach merkte er, wie ihre Augen-sich mehr und mehr schlossen und in demselben -Maße dämpfte er seine Stimme und winkte Edmund sich ganz ruhig zu verhalten. Der Knabe rührte sich nicht, als er aberhip Mutter schlafen sah, fragte er leise ״soll ich nicht zu Großmama gehen und ihr sagen, daß Mama schläft, sie könnte sonst laut hereinkommen und Mama hat schon so viele'Nächte nicht geschlafen." ״Ja gehe mein Kind," erwiederte Viktor und drückte einen Kuß aus seine Stirn. — — ^--^Die sieben Trauertage waren zu Ende. Rosa's Schmerz war nach und nach sanfter geworden. Sie sehnte sich nach Hause zu ihren Kindern und hatte eben der Mutter mitgetheilt, daß sie am folgen-

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