Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 13 (1866-1867)
- Issue
- Heft 2 (November 1866)
- Article
- Risse
- Date
- 1866-11-01
- Page
- 63 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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Bon S ... 63 wie abwesend, cs war, als ob ihre Seele noch draußen beim Grabe weile und von dem was um sie vorqing nur eine dunkele Ahnung habe. Ihr starres marmornes Aussehen erschreckte Jeden, der sie erblickte, nur die Mutter merkte es nicht, sie weinte und zitterte wieder sehr heftig und bat den Arzt ihr etwas Beruhigendes zu verschreiben. Er that es, doch sein Auge weilte besorgter auf der, nun regungslos am Boden sitzende» Tochter. Edmund wagte kaum, der Mutter sich zu nähern; aber der Arzt winkte ihm und flüsterte ihm zu, er möge zu ihr sprechen. Der Knabe that es und schlang seinen Arm uni ihren Hals und bat sie weinend sie möge doch zu ihm sprechen — Alles umsonst, ihre Apathie wich nicht, Stunden vergingen und sie hatte sich noch immer nicht geregt — Der Abend brach herein, sie saß noch immer unbeweglich da — Die Thür öffnete sich, sie blickte nicht auf, Friedheim trat nahe zu ihr ״Madame Blum," flüsterte er schüchtern — sie schien es nicht zu hören, ״Madame Blum" wiederholte er lauter — sie regte sich nicht. ״Rosa," rief eine männliche, aber vor Schmerz bebende Stimme. Mit einem lauten Schrei sprang sie aus und stürzte fast ohnmächtig in ihrer Gatten Arm. Er trug sie zum Kanapee und legte sie dort sanft nieder — und nun endlich, endlich fand sic Thränen, sie flößen reichlich und unaufhaltsam. Viktor hatte Friedheims Schreiben nicht erhalten und war erst durch die Ankunft seiner Schwägerin von der Krankheit des Vaters in Kenntniß gesetzt worden. Jda hatte ihm ihre Besorgniß nicht verschwiegen und unverzüglich hatte er sich aufgemacht, um die Gattin bei einem möglichen Unglücksfalle nicht allein zu lassen. Frau Schwarz, im Nebenzimmer auf dem Sopha liegend, hatte Rosa's lautes Weinen vernommen und kam nun ganz erschrocken, sich nach der Ursache desselben zu erkundigen, aber sie vergaß beinahe daran, als sie ihren Schwiegersohn erblickte. ״Viktor, lieber Viktor, sein Sie tausendmal willkommen! Aber was sagen Sie nur zu dem großen Verlust, der uns betroffen, mein lieber, guter, seliger Mann — ״ Sie hielt inne und trocknete eine Thräne. ״Aber um Gott, Rosa, was ist dir denn, daß du gar so fürchterlich weinst? Du warst doch die ganze Zeit so ruhig und ge-