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Jeschurun · 1866-11-01 · Heft 2 (November 1866) · p. 62

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
13 (1866-1867)
Issue
Heft 2 (November 1866)
Article
Risse
Date
1866-11-01
Page
62 (sequence 21)
Language
German
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62 Risse. 1 . I Begräbnisse nichts gespart, nichts vergessen werde — Die Söhne ge- } lobten Alles auf's Anstandsvollste zu besorgen, ihr Herz treibe sie! ja schon dazu. j Jakob ließ sich heute nicht blicken, er lag zu Hause im heftigj sten Fieber. j Doch als am folgenden Tag die Stunde des Begräbnisses nahte, z da erschien auch er, leichenblaß, wankenden Schrittes — Als er den 1 Sarg des Vaters erblickte, schrie er laut auf und bedeckte das Ges sicht mit beiden Händen. Philipp ermahnte ihn leise, sich doch anj ständig zu benehmen, dann trat er zur Schwester und reichte ihr den s Arm. Doch Rosa wandte sich wieder voll Entsetzen von ihm ab, in - diesem Augenblick vermochte sie nicht ihn zu sehen. Sie trat zu Ja- \ kob legte ihre Hand auf seinen Arm und geleitete den Wankenden j zum Wagen, den sie mit ihm und Edmund bestieg. Langsam bewegte der Trauerzug sich vorwärts — Rosa saß;{ au des Bruders Seite, dessen krampfhaftes Schluchzen von Minute zu Minute zunahm. Sie war ein ächt weibliches Wesen, in des Wortes reinster Bedeutung, selbst im höchsten Schmerz nicht egoistisch — Sie drückte des Weinenden Hand und zwang sich, ihm zu wiederholen, sie sei überzeugt der Vater habe um mehrere Minuten länj ger gelebt, als der Arzt angegeben, deutlicher wagte sic in ihres! Sohnes Gegenwart nicht zu reden — Die Leiche war der Erde übergeben, das Grab bereits geschlosl feu. Die beiden freidenkenden Söhne vermochten sich nicht zu ent- - schließen das übliche Kadischgebet zu verrichten. Jakob sprach es, s doch vor Schluchzen kaum verständlich, aber kaum hatte er es becns det, so brach er bewußtlos zusammen — Der Arzt, der sich im Zuge befand, ließ ihn zum Wagen bringen und setzte sich zu ihm. Rosa folgte. Sie hatte Alles von weitem mit angesehen und mehr und mehr hatte das Herz sich ihr zusam-; mengezogen, aber noch immer fand sie keine Thränen — Starr wie s eine wandelnde Leiche, schritt sie einher, saß sie im Wagen. Der Arzt redete ihr zu, sie schien ihn zu hören, erwiederte jedoch kein Wort. Der theilnehmende Mann war um sie nicht weniger besorgt als um den Bruder, der noch immer ohnmächtig dalag. Endlich erreichte man die Wohnung und Jakob fing an sich zu erholen. Rosa war thätlich um ihn bemüht, aber sie that alles

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