Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 13 (1866-1867)
- Issue
- Heft 2 (November 1866)
- Article
- Risse
- Date
- 1866-11-01
- Page
- 53 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Won S ... 53 wich nicht vom Beite des Vaters, der trotz ihrer Bitten sich nicht .anzustrengc», fortwährend mit ihr zu plaudern verlangte. — Bald erschienen auch Frau Schwarz und Edmund. Rosa hatte am vorhergehenden Tage bemerkt, wie sehr die innige Frömmigkeit des Knaden den Kranken zu beglücken schien, sie veranlaßte diesen daher am Gespräche Th eil zu nehmen und gab ihm Gelegenheit sein kindlich reines Gemüth, und sein warmes Gefühl in kindlicher Begetsterung für unsere heilige Religion, vor den Großeltern zu entfalten. Wiederholt mußte sic jedoch den allzulebhaften Knaben mahucn sich zu mäßigen und nicht zu vergessen, daß er am Krankenbette sich befinde. Doch der Vater wehrte es ihr, des Knaben Feuer erwärmte ja ihm das Herz, ließ seine Pulse rascher klopfen. ״Gottlob/' flüsterte er öfters vor sich hin, ״mein Leben war doch nicht ganz verfehlt, nicht ganz verloren." Auch die Söhne ließen sich heute öfter als sonst beim Vater blicken, einer von ihnen weilte sogar beständig im Nebenzimmer, sie schienen die Schwester nicht gern allein bei dem Kranken zu wissen, sie wußten ja wie sehr er sie schätzte und fürchteten beständig, sie mochte ihre Gegenwart nützen, ihn zu einem sie begünstigenden Testamente zu bereden. In die Unterhaltung mischten sie sich indessen nur selten, sie wollten nur beobachten und zur rechten Zeit, wie sie es nannten, cinschrciten — Rosa hatte hievon keine Ahnung und freute sich innig, die Brüder theilnehmender zu finden, als sie erwartet hatte. Doch der Tag neigte sich zu Ende und mit ihm die Kräfte des Kranken, er fühlte sich wieder schwächer, schwerer hob sich seine rvchelnde Brust. Da hieß er nochmals die Söhne dem Bette sich nahen und in den flehentlichsten Ausdrücken bat er sie, ihm nun das Versprechen nicht länger vvrznenthalten, um das er sie gestern bereits angegangen. Aber in unwirschem Tone unterbrach ihn Philipp: ״Soll die Coniödie von gestern wieder angehen? laß das Gcminsel Vater, du weißt, wir sind Männer, die ihre Entschlüsse von heut auf morgen nicht ändern." Aber der Kranke wand sich und wimmerte und beschwor sie nur noch flehentlicher, doch der Söhne Antwort war wie Tags zuvor. Rosa war starr vor Entsetzen, da vernahm sie ans der Ecke des Zimmers Edmund's unterdrücktes Schluchzen. Erschrocken, daß er