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Jeschurun · 1866-11-01 · Heft 2 (November 1866) · p. 54

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
13 (1866-1867)
Issue
Heft 2 (November 1866)
Article
Risse
Date
1866-11-01
Page
54 (sequence 13)
Language
German
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54 Risse. Zeuge dieser grauenvollen Scene gewesen, eilte sie zu ihm, führte ihn zum Bette und legte die Hand ihres Vaters auf das Haupt ihres Kindes — Ein letztes mattes Lächeln glitt über die zuckenden Lippen, die einen Segensspruch flüsterten. Die Brüder hätten nun wohl gern sich entfernt, aber sie fürchteten noch immer das Komn!ende. Rosa aber hieß den Knaben hinausgehen und setzte sich an das Bett des Vaters, dessen Hand sie an die Lippen preßte. Aber sie war nicht mehr im Stande den wilden Schmerz, der mit erneuter Heftigkeit des Kranken Herz erfüllte, auch nur auf Minuten zu lindern. Fort und fort ächzte er und stöhnte und beklagte wieder sein Leben als verloren und verfehlt und beschwor die Söhne ihn doch den letzten Trost zu gewähren — Alles umsonst. — Inzwischen war der Arzt erschienen, Grauen erfüllte selbst des Fremden Herz, der doch abgehärtet, an so manchem Sterbebette bereits gestanden. Vergebens versuchte auch er die Söhne zu bewegen, die letzte Bitte dem Vater nicht zu versagen — sie blieben unbewegt. Und der Sterbende wand sich in namenloser Qual, seine Geisteskräfte begannen zu wanken. Er versuchte nicht mehr die Uuerbittlichen zu bewegen, am Sabbath der Geschäfte sich zu enthalten, er beschwor sie nur »och am Sabbath der Cigarre zu entsagen. Doch als er auch dieses nicht zu erlangen vermochte, da ward die Verzweiflung des Unglücklichen noch wilder und schrecklicher. Er achtete nicht der Thränen seiner Frau, nicht des sanften Zuspruchs seiner Tochter, die nur mit fast übermenschlicher Anstrengung sich aufrecht hielt. Plötzlich lieh die Verzweiflung selbst ihm noch cinmal Kraft und Sprache. Er richtete sich auf im Bette, unheimlich blitzte sein schon erlöschendes Auge und seine röchelnde Stimnie klang hohl aber Mächtig ״Philipp—״ rief er, ״dn hast selbst Kinder, denke an sie, ehe du mich in Verzweiflung sterben lassest. Aber ein spöttisches Lächeln umspielte die Lippen des Frechen, als er erwiederte: ״Was kümmert es denn meine Kinder, ob ich am Sabbath rauche oder arbeite?" Schmerzlich wimmernd wandte sich der Vater an den zweiten

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