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Jeschurun · 1866-11-01 · Heft 2 (November 1866) · p. 45

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
13 (1866-1867)
Issue
Heft 2 (November 1866)
Article
Risse
Date
1866-11-01
Page
45 (sequence 4)
Language
German
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4S Von S... ״Philipp, wie kannst du so reden?" Der junge Mann zuckte die Achseln, ״ist's etwa nicht so?" ״Nein gewiß nicht, wenn sie auch sein Augapfel ist — Aber um wieder aus des Vaters Verlangen nach ihr zu kommen, so meint doch auch Friedheim, daß ich sie von der Krankheit des Vaters in Kenntnis; setzen sollte.« ״Friedheim? — Was hast du denn mitDem unsere Familienangelegeuheiten zu berathen, wie kommt denn Der dazu?" ״Er war vorgestern zufällig gegenwärtig, als der Vater mich wieder bat, ich mochte au sie schreiben." ״Und da hat er sich erlaubt drein zu reden? Großartig diese Impertinenz." ״Er ist doch unser Hausfreund und hat von jeher sehr viel auf Rosa gehalten, er meinte es müßte sie sehr schmerzen, wenn wir es ihr noch länger verschweigen würden." ״Verfl — Lump, der sich in alles drein mischen muß! ich mvcht's ihm zeigen! Er soll mir —״ Das Erscheinen des Eises unterbrach diese Expektorationen, zu gleicher Zeit ließ sich vom Nebenzimmer her ein kurzer trockener Husten vernehmen. Frau Schwarz stand auf ״der Vater scheint erwacht zu sein." Sie ging hinein. Philipp machte sich indessen an das Eis, das ihm vortrefflich mundete, es mußte in der That ganz ausgezeichnet sein, denn er war ein Kenner. Nach einigen Augenblicken erschien die Mutter wieder, ihre Miene drückte Unruhe und Besorgniß aus, ״dem Vater geht es schlecht, er wünscht mit dir zu sprechen, komm'." ״Nun, ich werde doch das Eis nicht zerfließen lassen, das wäre eine Sünde. Es ist heute ganz delictvs und ich denke der Vater kann wohl einen Augenblick warten." Es wahrte indessen länger als einen Augenblick ehe der Becher geleert war, denn vom Eise hat man nur halben Genuß, wenn man cs zu rasch genießt, das hielt der liebevolle Sohn im Auge und übereilte sich nicht all' zu sehr — doch als der letzte Rest ihm auf der Zunge zu schmelzen begann, da erhob er sich und trat mit seinem gewöhnlichen laut knarrenden Schritt in's Krankenzimmer. ״Bringe nicht die besten Nachrichten Vater," fing er an, dem Bette sich nähernd, und bet jedem Schritt ächzten seine Stiefel laut.

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