Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1866-11-01 · Heft 2 (November 1866) · p. 44

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
13 (1866-1867)
Issue
Heft 2 (November 1866)
Article
Risse
Date
1866-11-01
Page
44 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2932754-2932974-2932977-2950371--10315-2950399
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

44 Risse. giebt er uns nicht unbeschränkte Vollmacht?" Wieder wollte er dem Bette znschreiten und wieder hielt die Mutter ihn zurück. ״Ich bitte dich Philipp, laß ihn ruhen, er wird ohnehin nicht zu lange schlummern, komm' mit mir in's andere Zimmer, und wenn dir's recht ist, so lasse ich einen Becher Eis kommen, cs ist hente eine Hitze wie im Juli." ״Das ist wahr, cs ist heute entsetzlich heiß und Eis konnte wirklich nicht schaden," versetzte Philipp, indem er der Mutter in'S Nebenzimmer folgte; denn ein .Becher Eis hatte besondere Anziehungskraft für ihn, es war seine Lieblingsnäschcrci. ״Philipp," begann Frau Schwarz, nachdem sie einen Boten nach Eis -gesendet, ״der Vater hat mich schon wieder ersucht an Rosa zu schreiben, ich glaube ich werde es doch endlich thun muffen." ״Das wirst du bleiben lassen Mama," rief der Sohn mit Entschiedenhcit aufspringend, ״was soll denn Rosa hier? Jst's etwa so amüsant den Vater stöhnen zu hören?" ״Der Vater wünscht es, und sie wird gern seinem Wunsche Nachkommen," entgegnete schüchtern die Mutter. Ein Zug voll Umvulh glitt über das sonst hübsche Gesicht des jungen Mannes. ״Warum seid ihr eigentlich so sehr dagegen, daß Rosa von des Vaters Krankheit erfahre?" fragte die Mutter. ״Wie kannst du so fragen Mama? Wir möchten Rosa gern den unangenehmen Eindruck, den des Vaters Krankheit auf sie machen würde, ersparen." Dis Mutter schüttelte den Kopf, ״ihr seid früher nie so zartfühlend gegen eure Schwester gewesen." ״Aber Mama," rief Philipp ärgerlich, ״jeder Vernünftige wird doch zugeben, daß wir recht haben, und ich finde es in der That höchst egoistisch vom Vater, daß er so oft nach ihr verlangt." ״Hast dn vergessen, daß Rosa von jeher des Vaters Liebling gewesen ist?" ,,Ob ich das vergessen habe? Nein wahrhaftig, das habe ich nicht, das ist'ö ja eben." ״Wie meinst dn?" ״Ich meine, daß der Vater uns alle drei mit Freuden für die eine Rosa hingeben möchte."

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.