Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 13 (1866-1867)
- Issue
- Heft 2 (November 1866)
- Article
- Risse
- Date
- 1866-11-01
- Page
- 43 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Don S -.. 43 der Todespfeil in seiner Brust, langsam aber sicher, doch erst seit einigen Wochen hatte es ihn aufs Krankenlager geworfen — Und der Schmerz war so nagend, er raubte ihm die Ruhe der Nacht und schien selbst die des Grabes ihm zu mißgönnen, denn selbst zum Sterben bedarf'S oft der Ruhe — Und so wand er sich sterbend schon seit Wochen, und nur die Qual seiner Gedanken hielt den Tod noch fern. Denn die Hoffnung seines Lebens, seines ganzen Strebens, für das er mit Freuden sein Leben gegeben, sah er schon längst vernichtet. Wohl traten von Zeit zu Zeit die Söhne an das Schmerzenslager, aber nur um in Geschäftsangelegenheiten des Kranken Ansicht zu erfahren, denn so lange cr athmete, war er Chef des Hauses, und ohne ihn konnte nichts Wichtiges unternommen werden; denn nur unter beschränkenden Bedingnissen hatte cr sie am Geschäfte Theil haben lassen, dessen oberste Leitung er sich Vorbehalten. Die Söhne fügten sich murrend darein, aber sie fügten sich nur in dem hoffenden Hinblick auf die Zeit, wo der stets mahnende, nicht selten auch tadelnde Mund für immer geschlossen sein werde. In einem Fauteuil, dem Bette nahe, ruhte in halbliegender Haltung eine Frau den Fünfzigen nahe, doch ihr volles, wohlconservirtes Antlitz ließ sie um vieles jünger erscheinen. Aus den schöneu blauen Augen sprach viel Liebe, aber auch viel Gleichmuth. Besorgt hafteten sie auf dem Gatten, der eben wieder so schmerzlich stöhnte. Ein lauter Mannesschritt hallte draußen auf dem Corridor und schien dem Krankenzimmer sich zu nähern. Die Frau erhob sich lautlos und eilte zur Thür, sie vorsichtig öffnend. ״Leise, leise, der Vater schlaft," flüsterte sie dem Eintretenden zu. ״Bedauere, daß ich ihn stören muß," entgegnete dieser, ein junger Mann von ungefähr neunundzwanzig Jahren, in durchaus nicht leisem Ton, ״aber Geschäftsangelegenheiten gehen vor Schlafen." ״Philipp," bat die Mutter, ״schone des Vaters, er hat seit drei Tagen kein Auge geschlossen." ״Thut mir leid, aber ich kann nicht warten," versetzte der Sohn, die Achselnd zuckend, ״eS ist übrigens seine eigene Schuld, warum