Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 13 (1866-1867)
- Issue
- Heft 2 (November 1866)
- Article
- Die fünfzehn altjüdischen "Aufwärts"-Lieder
- Date
- 1866-11-01
- Page
- 40 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2932754-2932974-2932977-2950370--10310-2950395- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
40 Die fünfzehn altjüdischeu ״Aufwärts"-Kieder. es geknechtet, hat einen solchen Kampf nicht je einmal versucht; es vermochte den Kampf nicht, es durfte den Kampf nicht und — es bedurfte nicht sein. Die Bande, die es fesselten, waren in sich morsch, die Falle, die sie gefangen hielt, war in sich mürbe, alle die Gewalten, die es knechteten, trugen in sich den Keim des Untergangs, sie waren nicht nur Israel gegenüber, sie waren an sich im Widerspruch mit Allem, was aus dem Acker der Menschheithoffnung zur endlichen Blüthe gelangen soll; ihr Bruch war gewiß, Israel hatte nur ihre Zeit abznwarten, sie waren dem Untergang geseiht. In den Mißhandlungen, die cs erlitt, lag selbst die Bürgschaft ihres Endes. Die Behandlung, die diese machtlos preisgegebenen Menschen" in Mitte der Völker fanden, war und ist zu allen Zeiten der sicherste Grad- Messer für die Macht oder Ohnmacht des Rechts und der Wahrheit, der Menschlichkeit und der sittlichen Bildung unter irgend einem Volke zu irgend einer Zeit. Die Ländergier, mit welcher der römische Adler auch das friedliche Judäa als die Judäa captiva an den Ruhmeswagen seiner Imperatoren schmiedete, die Entartung, mit welcher der triumphirende ״Liebling des Menschengeschlechtes, der jeden Tag unter die verlorenen zahlte, welchen nicht eine Gutthat bezeichnste", jüdische Knaben der viehischen Lust und jüdische Männer der blutlgen Kurzweil opferte, schrieben sich damit ebenso das eigene Todesnrthetl wie der Fanatismus des Mittelalters mit Judenzoll und Judenrechten, mit Judengassen und Judenhetzen um sich selbst an die Pforten seiner Burgen das rothe Zeichen der Gottes-Vchme schrieb. Es waren ja diese alle nur Entladungen allgemeiner ״fanatischer Strömungen", die freilich in dem wehrlosen, rechtlosen, geachteten ״Judenvolke" ein eigens für sie gegrabenes ״Bette" erblickten, in welches sie am ungehindertsten, weil straflos, ja Ruhm cinerndtend, die salben Wogen ihrer unlautern Wuth entladen konnten. Das jüdische Volk überlebte sie Alle, tvcil es allein zu den Gehenkten aber nicht zu den Henkern, zu den Märtyrern aber nicht zu den Marterern zählte, die Schlachtopfer der Zeiten bildete aber keinen Theil an den Menschenschlächtereien hatte, weil es in seiner Zurnckgezogenhett den Geist des Rechts und der Menschlichkeit, den Geist der Milde und der Sitte pflegte und aus einem Born der Gotteserkenntniß schöpfte, der die Söhne an dem Grabe der hingemordeten Väter die Zuversicht zu fassen lehrte, daß trotz allem doch ״immer