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Jeschurun · 1866-08-01 · Heft 11-12 (August 1866) · p. 406

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
12 (1865-1866)
Issue
Heft 11-12 (August 1866)
Article
Risse
Date
1866-08-01
Page
406 (sequence 12)
Language
German
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406 Risse. Denn ich kann nicht wieder zurückkehren in das Haus Deines Bruders, nein ich kanrüs nicht!" ״Jda, um Gotteswillen, versteh ich Dich recht? Du wolltest—" ״Getrennt sein! geschieden sein! ja das will ich!" rief sie mit einer Energie, wie man sie derselben kaum fähig gehalten hätte. ״Wir wollen morgen weiter davon reden liebe Jda, heute bist Du zu aufgeregt, wenn Du ruhiger —" ״Und Du meinst ich könnte morgen ruhiger sein, ha, ha, ha!" Das Lachen klang heiser und unheimlich, Rosa ward mehr und mehr besorgt, sie fürchtete die Folgen dieser übergroßen Aufregung für die ohnehin schon Kranke. Diese sah es und fuhr sich mit der Hand über die brennende Stirn und bedeckte einen Augenblick die wild glühenden Augen. Dann glitt die Hand langsam hernieder und sie selbst sank zurück ausss Canapee. Ihre Schwägerin flößte ihr einige beruhigende Tropfen ein und wusch ihr Puls und Schläfen mit stärkenden Essenzen, und ihrer Willenskraft gelang es, sich bald zu erholen. ״Rosa," hob sie an, mit matter leiser Stimme, ״ich habe Rath und Hälfe von Dir erfleht, darum muß ich Dir Alles mittheilen, und sollte das Herz mir darüber brechen. Komm, setze Dich her zu mir und höre: Daß ich mit Deinem Bruder nie glücklich war, kannst Du Dir denken, denn Du kennst ihn. Gezwungen ward ich mit ihm vermählt. Doch als ich einmal seinen Namen trug, da schwur ich mir, es ihn nie entgelten zu lassen, daß ich nicht freiwillig ihm meine Hand gereicht, und diesen Schwur habe ich gehalten. Doch er, — obgleich er mich zu lieben schwor, so Wichte ich doch, daß er sich nur um meines Reichthums willen um mich beworben, aber auch dieses zeigte ich ihm nicht. Es währte indessen nicht gar lange so erfuhr ich, daß er mich schändlich hinterging — Ich empfand nicht Eifersucht, denn ich empfand ja nicht Liebe, nur Verachtung war es was ich für ihn fühlte, doch auch diese zeigte ich ihm nicht, denn er war bereits Vater meines Kindes — Jahre vergingen, noch zwei Kinder lächelten mir zu, ick fing eben an mich glücklich zu fühlen im Kreise der Kleinen, da ward ich mir bewußt, daß die Verantwortlichkeit ihrer Erziehung doppelt auf mir ruhte, denn ich kann ihnen ja nicht sagen: folget dem Bet-

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