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Jeschurun · 1866-08-01 · Heft 11-12 (August 1866) · p. 405

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
12 (1865-1866)
Issue
Heft 11-12 (August 1866)
Article
Risse
Date
1866-08-01
Page
405 (sequence 11)
Language
German
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Son S... 405 sie hatte ja von jeher das zartfühlende Wesen beklagt, das mit ihrem rohen Bruder verbunden war. Die Leidende preßte die Hände auf die Brust mW mit großer Anstrengung stieß sie endlich die Worte hervor: ״Rosa, Du hast mir den Vorwurf gemacht, daß ich das Glück, das mir geworden, nicht zu würdigen wisse —" ״Verzeih mir Jda, ich that Dir Unrecht, ich fühle es." ,/Ja, Du thatest mir Unrecht, ja — aber — aber — sag' mir doch, warum fragst Du nicht, warum ich Philipp's Brief nicht lesen kann?" ״Weil ich die Antwort fürchte," murmelte seine Schwester. ״Du fürchtest die Antwort, o mein Gott, so willst Du mich nicht Horen, so darf ich nicht zu Dir reden?" ״Sprich' Zda, sprich', und wenn es Dir nur den geringsten Trost gewährt." ״O, nicht Trost ist es was ich suche, aber Deinen Rath Rosa, Deine Hülfe." ״Von Herzen sage ich Dir beides zu, wenn es in meiner Macht liegt sie zu leisten. Und nun fasse Muth Jda, rede. Wenn Du wüßtest wie glücklich cs mich machen würde, wenn ich Dir in der That zu helfen vermochte," sie nahm die Hand der Freundin und drückte sie innig. ״Dank Rosa, Dank — ich weiß, daß Du mir gut bist und mich bemitleidest, ich habe es oft genug bemerkt — aber dennoch wird es mir so schwer — o so schwer — " Sie stockte, es schien ihr unmöglich weiter zu reden. — Endlich begann sie wieder mit unsicherer Stimme, die aber von Wort zu Wort an Heftigkeit zunahm. ״Rosa, Du wähnst der Schmerz um mein heimgegangenes Kind habe mich krank gemacht und unglücklich, aber soll ich Dir sagen, wen ich beweine? — o nicht den seligen Engel, aber um meine lebenden Kinder fließen meine Thränen —" Sie schlug die Hände vor's Gesicht und schluchzte laut. Rosa wußte ihr nicht zuzureden, aber sie zog die heftig Weinende an ihre Brust und hielt sie umschlossen mit ihren Armen. Die Thränen versiegten endlich, aber der Schmerz schien zuzunehmen. ״Hilf mir Rosa, rathe mir was soll ich thun, was beginnen?

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