Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 12 (1865-1866)
- Issue
- Heft 11-12 (August 1866)
- Article
- Risse
- Date
- 1866-08-01
- Page
- 404 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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404 Riffe. Abends ein Blatt zu repetiren und Du wirst es mir doch bestätigen Mama, daß ich mein Versprechen gehalten." ״Ganz gewiß mein Kind." ״Wenn Du es wünschest, so bestätige ich Dir es auch," bemerkte Jda mit mattem Lächeln. ״Aber für heute gute Nacht, lieber Edmund." ״Gute Nacht, liebe Tante, schlaf wohl und last Dir was Schm nes träumen. Aber Du vergissest ja Deinen Brief, hier ist er, willst Du ihn nicht nehmen?" Sie nahm den Brief, aber ihre zarte Gestalt erbebte wieder; auf den Arm ihrer Schwägerin gestützt, begab sie sich in ihr Zimmer. Rosa begleitete sie zum Kanapee und wollte ihr beim Entkleiden behülfiich sein, die Andere aber wehrte ihr. ״Du wolltest noch ein Weilchen bei mir bleiben, so setze Dich her zu mir, ich wünschte mit Dir zu reden," fügte sie mit gepreßter Stimme hinzu.- Rosa veranlagte sie, sich wenigstens aufs Kanapee zu legen, rückte einen Fauteuil dann herbei und ließ sich nieder. — Mehrere Minuten vergingen lautlos, nur das schwere Athmen der Leidenden ließ sich vernehmen. Ihre Schwägerin wünschte ihr entgegen zu kommen, ״willst Du Deinen Brief nickt lesen?" fragte sie. ״Ich kann nicht," flüsterte Jda, ״möchtest Du es Lhun?" Rosa entfaltete das Blatt, ״soll ich ihn Dir vorlesen?" ״Nein, nein, sag^ mir nur wie es den Kindern geht, wenn das nämlich darin steht." Es stand in der That nicht darin, es waren überhaupt nur wenige Zeilen, in denen jedoch das kalte, herzlose Wesen des Schreibers vollkommen sich aussprach. Rosa sckob den Brief in die eigene Tascke und versicherte die Freundin des Wohlbefindens ihrer Kinder. Wiederum herrschte Schweigen. Rosa stützte dm Arm auf den Tisch und das Haupt aus die Hand, sie empfand das tiefste Mitleiden mit der zarten schwachen Frau, die schon wieder an allen Gliedern zitternd dalag, der innere Kampf prägte tu den zuckenden Gesichtsmuskeln sich aus. — Sie hatte endlich beschlossen der Schwägerin sich anzuvertrauen, aber es ward ihr unendlich schwer diesen Entschluß auszuführen. Rosa sah es, und eine düstere Ahnung machte auch sie erbeben,