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Jeschurun · 1866-08-01 · Heft 11-12 (August 1866) · p. 358

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
12 (1865-1866)
Issue
Heft 11-12 (August 1866)
Article
Jüdische Kalender-Phantasien
Date
1866-08-01
Page
358 (sequence 6)
Language
German
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358 Jüdische Kalender-Phantasten. ter dem Druck einer vergötterten Tyrannei und unter dem Miasma!einer viehisch entarteten Sitte social und individuell zu Grabe ging. An dieses Grab pflanzte sie ihr Wahrzeichen auf, lehrte die Menschen verachten, was sie nicht zu ändern vermochte, präconisirte Resignation auf die in der Gewalt des ״Argen" liegenden Welt als höchste Tugend und wies den Aufschwung in den Nebel eines Ue- | bersinnlichen und das sehnsüchtige Anticipiren einer jenseitigen Ferne als die einzige Rettung aus dem preiszugebenden Reiche der diesfettigen Sinnlichkeit. Alle ihre specifischen Lehren wurzeln in der!! völligen Verachtung der diesseitigen irdischen Verhältnisse. ״Nimmt dir Jemand den Mantel, so gteb ihm das Hemd dazu", ״giebt dir Jemand einen Wangenstreich auf die rechte, so reiche ihm auch die linke hin," ist nicht die Lehre von der hohen Tugend der Versöhnltchkett und des Vergessens erlittenen Unrechts. Diese fordert Bergebung im Voübewußtsctn des uns geraubten Gutes. Jene aber lehrt Verachtung der Mannesgüter und der Mannesehre und macht den Raub an Gut und Ehre zu einer vor dem übersinnlichen Sinn der neuen Lehre gleichgültigen Handlung und die Werthschätzung Und » Verthcidignng dieser Güter zur Thorheit. Damit hatte sie aber von vornherein darauf verzichtet, diese irdische Welt aus den Fesseln des Bösen zu befreien und die Erlösung der individuelle» und socialen irdischen Welt durch deren Verklärung zu einem Reiche des Sittengesetzes und des Rechtes zu vollbringen. Daher kam's, daß sie sich mehr als Trösterin der Geschlagenen, denn als Lehrerin und Leiterin der Thatkräftigen begriff, mehr Leuchtthurm für die Schiffbrüchigen als Compaß für eine heiter glückliche und beglückende Fahrt durch's Leben sein wollte, Spitäler für Kranke und Irre, Altäre für Gej drückte, Gräber für Gestorbene stiftete, aber Häuser, Hallen, Märkte! des srischpulstrenden einzelnen und öffentlichen Lebens dem Erd-Getst? des irdischen Seins überließ. Konnte ja selbst die Ehe, diese Wurj zel aller Menschen- und Völker-Gesittung auf Erden, einer ihr angehörigen Anschauung zu einer Institution von nur zweifelhaftem Werthe werden! Indem sie aber an sich die Menschen- und Völker- Verhältnisse dieser Erde sich selber überließ, verblieben diese dem sinneschmeichelnden Einfluß hellenischer Bildung, dem imperatorischen Genius des römischen Staatenbans, und sofern sie dennoch, jenen

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