Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 12 (1865-1866)
- Issue
- Heft 10 (Juli 1866)
- Article
- Die letzten zwei Abschnitte des Pentateuch [Rezension]
- Date
- 1866-07-01
- Page
- 326 (sequence 4)
- Language
- German
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326 Die zwei letzten Abschnitte des Pentateuch. Verf. übersetzt nämlich an ersterer Stelle: ״auch die Himmel über ihm bersten vor Thau". — Obgleich das Wort ״bersten" zuweilen metaphorisch und hyperbolisch gebraucht wird, scheint uns dennoch dieser Ausdruck hier — abgesehen von der etymologischen Bcrechtigung — jedenfalls sehr unglücklich gewählt zu sein; übersetzen wir aber das- Wort nach Raschi's Andeutung durch ״strömen", so fällt der auf 5. B. M. 33, 28 gestützte Einwand weg, und ist in dieser Stelle das Verbum ערף ebenso wie in unserer Stelle zu übersetzen. So wenig demgemäß die Auffassung des Vers, sprachlich zu billigen ist, ebensowenig kann dieselbe sachlich gerechtfertigt werden. Der Verf. sagt: ״In unserer Stelle endlich dürfte das Wort einschlagen sowohl als Intransitiv das Ntederstürzen des Regens wie als Transitiv die ׳von demselben bewirkte Erschütterung des Bodens (rcsp. die durch die Lehre bew. Ersch. des Gemüthes) bezeichnen." Demnach wäre ״Erschütterung des Gemüthes" eine durch die göttliche Lehre zu erzielende Wirkung: den jüdischen Anschauungen gemäß ist aber die Thora nicht gcmütherschütternd sondern משיבת נפש die Seele erquickend, das Herz erfreuend, den Geist erleuchtend, und blicken wir auf den Moment zurück,in dem unsere Vorfahren durch die mit dem Beginne der Gottesoffenbarung am Sinai verbundenen Erscheinungen ״erschüttert" waren, so ergibt sich uns, daß ihnen damals ausdrücklich verkündetwurde, daß nicht die Erschütterung sondern die Erhebung des jüdischen Volkes der Zweck jener Erscheinungen war (s. Mechiltha zu 2 B. M. 20, 17). Erschütterung kann auch gar nicht der Zustand sein, der durch die Thora bewirkt werden soll; denn, was durch Erschütterung erzielt werden soll, das hat keine bleibende Dauer, wie auch überhaupt nicht das ״Gemüth" sondern der Verstand und der Wille, die Erkenntniß und Thatkraft, das Denken und Handeln den Boden bilden, aus den die Thora nicht blos momentan sondern fortwährend zu wirken bestimmt ist. Dieses Ziel kann aber nicht durch Erschütterung, nicht durch Einwirkung auf das Gemüth, sondern nur durch Einwirkung auf Geist und Wille erreicht werden. Wie der Regen, der bekanntlich wegen seiner geringen Fallgeschwindigkeit keinen bedeutenden Effekt.hervorbringt und daher, nicht wie der Verf. annimmt, Erschütterung, sondern Bcsruchtung des Bodens zu bewirken bestimmt ist, so soll auch die Thora, wie schon durch das Stammwort יתת (wovon יורה Saatregen, מורה Joel 2, 23 Frühregen und 2 Ehr. 15, 3 Lehrer) ange-