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Jeschurun · 1866-07-01 · Heft 10 (Juli 1866) · p. 318

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
12 (1865-1866)
Issue
Heft 10 (Juli 1866)
Article
Jüdische Kalender-Phantasien
Date
1866-07-01
Page
318 (sequence 6)
Language
German
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318 Jüdische Kalender-Phantasien. ntschen Stammes, Deutsche und Engländer, mehr als alle anderen uns bekannten Völker der Erde, Gedanken jüdischer Wahrheit in Literatur und menschengesellschaftliche Weisheit ausgenommen, verarbeitet und verarbeiten — Nach Planeten oder Gottheiten nennen noch alle Kulturvölker. die Tage der Woche, somit die Tage ihres irdischen Lebens. Nur der Jude, wie uns sein Kalenderbüchlein zeigt, weiß schon seit mehr alö dreitausend Jahren, nichts von einem Tage der Sonne oder des Mondes, des Mars oder Merkur, des Jupiter, der Venus-Freia oder des Saturn, sondern kennt nur einen Sabbath und einen ersten, zweite», dritten Tag u. s. w. nach dem Sabbath und zu bein Sabbath. Sage man nicht, cs denke kein Mensch bei seinem Sonntag und Montag u. s. w. mehr an die astrologische oder polytheistische Bedeutung dieser Benennung und bekenne sich damit keineswegs zu irgend einer astrologischen oder polytheistischen Unterstellung seiner Tage unter das Regiment eines Planeten oder eines WahngotteS. Schon daß man uns Benennnugen gibt, die der Entschuldigung bedürfen, und die ihreDuldung nur von unserer Gedankenlosigkeit erbetteln müssen, die sich der Bedeutung der Worte gay. nicht bewußt Wird, welche die Lippe spricht — ist wahrlich kein geringes Nebel, oder vielmehr daß unsere Gedankenlosigkeit solche Duldung ermöglicht. Hat man uns ja überhaupt auf diesem Wege gewöhnt, Worte nur als zufällige Merkzeichen der Gegenstände zu handhaben, haben wir eS ja auf diesem Wege verlernt, das Wort anzuhalten und über den Inhalt der Dinge Rede stehen zu lassen, für die es uns gilt, müssen wir uns doch daher nur auf dem Wege künstlicher, und leider selteuer Reflektion den Weg zu dem Begriffe der Wesen bahnen, während die Sprache uns die Dinge begrifflich anschauen lassen könnte, und wohl auch sollte — läßt ja dieselbe Gedankenlosigkeit, die uns der Sonne und des Mondes, des Wodan und der Freia Tag wie werthlose Gedankenspiel-Marken über die Lippen schweben läßt, so auch die Worte Gott und Wahrheit und Recht und Freiheit und Sittlichkeit und Tugend im Munde führen, ohne uns des hehren lebenfassenden Inhaltes dieser Gedankenzeichen ^bewußt zu werden — Der jüdische Kalender setzt seinen Sabbath, und Iten, 2ten, 3ten, 4ten, öten, 6ten Tag, Sabbath, und so fort, und hat damit die

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