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Jeschurun · 1866-07-01 · Heft 10 (Juli 1866) · p. 317

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
12 (1865-1866)
Issue
Heft 10 (Juli 1866)
Article
Jüdische Kalender-Phantasien
Date
1866-07-01
Page
317 (sequence 5)
Language
German
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Jüdische Kalender-Phant afteh. 31? zeichnet es als Vermessenheit, diese Gränzen des vom Schöpfer an Zeit und Raum gebundenen Menschenverständnisses Nicht innehalten zu wollen. Wie wohl kaum eine andere ist unsere Sprache in allen ihren Bildungen eine Tochter des Gedankens Nnd war selbst wieder Mutter gedankenreicher Schöpfungen. Glücklicherweise ward nun Wissenfchaft und Weisheit dieses Gedanken-Volkes vorzugsweise ein Gesetz, oder vielmehr ״das Gesetz" xnr sxcrsllsnos somit das Leben in der ganzen Fülle conkreter Wirklichkeit der physischen, geistige!!, ethischen, socialen, individuellen und nationalen Entfaltung eines Menschen- und Völkerdaseins, höchster Vorwurf seines denkenden Geistes, und ward damit dieser Geist vor allem Hinausschwärmen in's Nebelhafte und Jrrthümliche durch das immer zur Seite stehende Correktiv des Wirklichen bewahrt. Und dieses an der Wirklichkeit sich nährende Gedankenleben hat sich gewiß nicht als der geringere Faktor erwiesen, der dieses Volk auf seinem großen Geschichtsgange durch die Zeiten erhalten. Gewöhnt, sich alles znm Begriff zu bringen und sich urtheilend über Dinge und Verhältnisse zu erheben, ward es ihm leichter als jedem andern sich' objektiv zn den Ereignissen und Erscheinungen der Zeiten zu erhalten. Geistig haben wir das bereits überwunden, dessen. Verständniß uns gelungen, und so schützte der Gedanke den Juden vor dem Aufgehen in Verhältnisse, deren geistige und sittliche Hohlheit er selbst in dem Momente begriff, da sie mit materieller Ueberwucht ihn zu begraben schienen. Der Witz, den man am Juden kennt, war nichts als periodische Entladung solcher Blitze vom Olymp, von dem aus der Jude das Weltgericht über die Weltgeschichte übte. Der jüdische Witz machte dem Juden das Mittelalter erträglich. Wenn aber die moderne Weisheit in dem jüdischen Geist vorzugsweise ein zersetzendes Element erkennen will, so vergißt sie, daß dies nicht sowohl an der Eigenthümlichkeit dieses Geistes, sondern an der Natur der ihm zur Verarbeitung gegebenen Zustände liegt. Ist es Schuld des jüdischen Mistes, wenn annoch vor dem Forum jüdischen Gedankens die menschengcsellschaftlichen Zustande und Verhältnisse sich mehr als negative Größen, denn als positive Werths darstellen? Sie vergißt aber vor Allem, wie viel des Positiven, dessen sich die europäische Welt als geistiger nnd sittlicher Errungenschaft erfreut, sic gerade dem jüdischen Geiste verdankt, vergißt, wie gerade die denkendsten unter den europäischen Nationen, die Völker germa-

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