Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 12 (1865-1866)
- Issue
- Heft 9 (Juni 1866)
- Article
- Noch ein Wort in Angelegenheit der Wahl eines Grand Rabbin von Frankreich
- Date
- 1866-06-01
- Page
- 293 (sequence 13)
- Language
- German
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eines Grand-Iiäbbin von Frankreich. 393 Frankreich liegt, ein zu aufrichtiger Jude ist, ein zu treuer Diener der Religion, ein zu ehrlicher rechtschaffener Mann ist, der es mit seineiü Gewissen nicht wird vereinbaren können, dieser Religion eben nur das Maß von Geltung und die Modalität der Verwirklichung etnzuräumen, die ihrem subjektiven religiösen Velieben adäquat wäre, und er hätte vielleicht alle Chancen für sich, wenn er auch weniger gelehrt und weniger tüchtig und weniger dwrch ein thätenvolles Leben bewährt wäre, wenn er nur auch zugleich weniger religiös sein würde. Das ist der Jammer einer unnatürlichen, künstlich zugeschnitzten Centralisation, in welcher zuletzt mit legaler Form das loyale Wesei! begraben wird. Noch aber ist es Nicht zu spät, noch dürfen wir die Hoffnung nicht aufgeben, es werden Männer, an deren sonstiger Ehrenhaftigkeit ja nicht der leiseste Zweifel haftet und die nur durch die unglückseligste Handhabung eines ursprünglich für das religiöse Heil geschaffenen Organismus den entscheidenden Ausschlag in einer Angelegenheit in Händen haben, zu welcher sie vielleicht nach ihrer ganzen Lebensanschauung und Lcbensrichtung in halbem oder ganzem Gegensatz sich befinden, wir meinen, es werden diese Ehrenmänner noch im letzten Augenblicke sich besinnen, noch im letzten Augenblick der ganzen Größe ihrer Ausgabe, der ganzen Schwere ihrer Verantwortung!»ne werden, melden nicht ihre subjektiven Ansichten an die Stelle der objektiven faktischen Wahrheit setzen, die der Ernst und die Heiligkeit der ihnen anvertrauten Sache der Religion, die der Geist und das PriNcip des Gesetzes, das sie berufen, die der Staat, die die JUdenheit ihnen gebietet und für deren Äufrechthaltung einst Gott sie zur Rechenschaft ziehen wird, Und werden nicht eine Wahl treffen, die der ganzen Ehrenhaftigkeit ihrer sonstige» Gesinnung widerspricht, und über Weiche das fast einstimmige Ürtheil der öffentlichen Meinung den Stäb brechen wird. Sollte aber, was Gott verhüten wolle, ihre Wahl nur den Sieg der Halbheit und Hohlheit, den Sieg der Connivenz und der Schwäche bedeute», sollten sie mit ihrer Wahl die nach Neubelebung und Frische lechzende Gegenwart des Judenthums Preiszeben und aus Vergötterung eines Unberechtigten Subjektivismus den schreiendsten Verrath an der Zukunft der jüdischen Religion begehen, dann wird