Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 12 (1865-1866)
- Issue
- Heft 9 (Juni 1866)
- Article
- Noch ein Wort in Angelegenheit der Wahl eines Grand Rabbin von Frankreich
- Date
- 1866-06-01
- Page
- 287 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2932754-2932961-2932971-2950128--10099-2950144- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
eines Grand-Rabbtn von Frankreich. 287 soll das jüdische Volk, ״vom Holzhauer bis zum Wasserschöpfer" durch den allverbreiteten Geist religiöser Wissenschaft zu einem ״Reich von Priestern" werden, und dadurch zu der sittlichen Größe sich emporschwingen ״ein heilig Volk" zu sein, und doch ist die religiöse Zukunft tu vorhinein getödtet, für welche mit der religiösen Kenntniß nicht die Saat des Lebens gestreut ist, und der jüdische Vater hat das heiligste, ihm anvcrtraute Pfand veruntreut, der das Kind, das ihm Gott geschenkt, nicht mit dem Verständntß seines Wortes vertraut gemacht, nicht in die Schule seines Geistes eingeführt. — Was hat die bisherige Ccntralisation gethan, um den geisiigen Hunger nach dem göttlichen Worte zu wecken, um den geistigen Hunger nach dem göttlichen Wort zu stillen, was hat sic für diese erste und heiligste, alles Andere bedingende Anforderung der ihr anvertrauten Pflege der Religion gethan, um sich berechtigt zu glauben das Indenthum in sich zu pcrsonificiren, und abnorme Rechte über dasselbe geltend zu machen? And sollen wir nach allem Diesem noch das Leben fragen nach den Triumphen des göttlichen Gesetzes, nach den Blüthenkränzen der Religion, für welche die Lichtsaat der Erkenntniß fehlt? Wenn es im Innern Nacht ist, kann es draußen nicht leuchten, und wofür das Herz kalt ist, dafür kann das Leben nicht glühen, und was nicht durch erleuchtende und erwärmende Erkenntniß unsere Achtung, unsere Liebe, unsere Begeisterung gewonnen, dafür wird kein Opfer gebracht, das wird für den ersten besten Tand, für den Schein des erbärmlichsten Trödels preisgegeben, der auch nur den verschwindenden Reiz etnes Augenblicks verspricht — und im Leben wollen wir die Triumphe suchen, die im Geiste verscherzt werden? Wollen gesichert sein, daß nicht oft da ״Entweihung des göttlichen Namens" wohnen werde, wo das ganze Leben eine ״Heiligung" desselben sein sollte, daß nicht jüdische Häuser zu Grabstätten des göttlichen Gesetzes werden, dessen Tempel sie sein sollten, daß nicht jüdische Ehen des Geistes der Reinheit und Heiligung lachen werden, die ihre Kraft und ihr Segen sein sollten, daß nicht jüdische Jünglinge und Jungfrauen sich mtt Unkenntniß und Verletzung einer Lehre und eines Gesetzes brüsten werden, die ihr Licht und ihr Stab, ihr Stolz und ihre Begeisterung sein sollten, daß nicht jüdische Männer das Hetligthnm mit Füßen treten werden, dessen erste Vorkämpfer zu sein, sie berufen sind — ja, daß nicht