Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 12 (1865-1866)
- Issue
- Heft 9 (Juni 1866)
- Article
- Noch ein Wort in Angelegenheit der Wahl eines Grand Rabbin von Frankreich
- Date
- 1866-06-01
- Page
- 285 (sequence 5)
- Language
- German
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285 eines Grand-Rabbin von Frankreich, das Judenthum dieses Gesetzes, dem sie huldigen, ist es das Judenthum dieses Gesetzes, dem sie auf Grund dieses Gesetzes den hochfielt Pfleger zu geben im Begriffe stehen? Giebt es ein Judenthum ohne Pentateuch, ein Judenthum ohne Dekalog? Hat das Sanhedrin, dem das Centralconsiftorium sein Dasein perdankt, ein Judenthum ohne Pentateuch, ohne Dckalog sanktionirt? Es gilt hier nicht ein inquisitorisches Einblicken in das Innere der Menschen, um etwa der ״Rechtgläubigkeit" ihrer Ueberzeugungen nachzuspüren. Es gilt ein Moment, für welches praktische, offenkundige Thatsachen einer ganzen Lebensweise ihr Ja oder Nein auszusprechen vermögen. Und ständen die Männer im Privatleben, wäre ihnen nicht die heiligste Angelegenheit der jüdischen Gesammtheit anvertraut, fern wäre es von uns, auch nur die offenkundigsten Thatsachen ihrer Lebenswetse dem Richterftuhl der öffentlichen Meinung unterziehen zu wollen. Allein in Beziehung auf Männer, die das Gesetz bestellt haben soll, über die religiöse Zukunft einer Gesammtheit von Tausenden zu wachen, hat jeder das Recht und jeder die Pflicht zu fragen, wie steht die Lebensweise dieser Männer zu dem Judenthum, das auf sie angewiesen ist, welche Bürgschaft giebt ihr Leben, daß sie dem Judenthum ihre Fürsorge zuwenden, für welches das Gesetz sie bestellt und dessen Pflege die Gesammtheit und der Staat von ihnen zu erwarten berechtigt ist und erwartet. Und da sind wir allerdings so kühn zu fragen, giebt es ein Judenthum ohne Pentateuch? Giebt es ein Judenthum ohne Dekalog? Will das Gesetz, will das Sanhedrin ein Judenthum ohne Pentateuch, ja ohne Dekalog? Und gehören nicht z. B. die Speise-׳ gesetze zu den hervorragendsten, den Juden als Juden charakterisirendstcn Gesetze des Pentateuchs, und steht z. B. das: du sollst am Sabbath keinerlei Werk schaffen, nicht tm Dekalog? Welche Berücksichtigung aber findet der Pentateuch, findet der Dekalog, bet der Wahl der Männer für die höchste Centralleitung der jüdisch-religiöseu Angelegenheiten in Frankreich? Und wäre nicht schon die bloße Möglichkeit, daß eine höchste jüdisch-religiöse Centralbehörde sich aus EMeihern des Sabbaths und aus Verächtern dev Speisegesetze-