Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 12 (1865-1866)
- Issue
- Heft 8 (Mai 1866)
- Article
- London [Nachricht]
- Date
- 1866-05-01
- Page
- 279 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- correspondence
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279 Als der greise Sir Moses Montefiore in den Saal trat, wurde derselbe von einem donnernden ״Cheer" begrüßt. Wir wollen die interessanten Debatten dieses ״Seder-MeetingS" mit Stillschweigen übergehen und ans denselben nur einzelne statistische Curiosa hcrvorheben. In London leben derzeit 7000 jüdische Familien; von diesen sind 864 deutsche, 28 französische, aus dem Elsaß eingcwandert, 480 aus Polen, 43 äthiopischer Nace, 120 Espagnvlen, 4 aus China. Ihrer Beschäftigung nach sind mehr als ein Drittheil Kaufleute und Banqniers, 120 Äerzte, 14 Schriftsteller Und Journalisten, 124 Künstler, darunter 40 Photographen, 30 Chemiker, 114 Staatsbeamte und Advokaten, 33 Polizcibeamte und Detektifs, 240 Fabriks- und Doksarbeiter, 241 notorische Taschendiebe und Gauner. In den Gefängnissen des Königreichs befanden sich im Jahre 1865 4 Individuen wegen Raub, 2 wegen Betrug, 18 wegen Bettel und zwei Damen wegen unsicheren Gewerbes. Es ward in dieser Versammlung die Resolution gefaßt, ״cs sei dem Geiste und der Würde der Bekenner des jüdischen Glaubens geboten, auf vffentlche Kosten den Heimathlosen und Bedürftigen die Gelegenheit zu bieten, die Passafcier im religiösen, nationalen Sinne begehen zu können und es sei zu diesem Zwecke zur Aufbringung der Mittel eine Subscription zu eröffnen." Als Ergebniß dieser Subscription stellte sich nach Verlauf «iniger Tage der Betrag von fünftausend Pfund heraus, woraus die Sammlung geschlossen wurde. Am Vorabende des jüdischen Osterfestes hielten die Notablen Revue über das Elend des Hauses Jakob. In einem geräumigen festlich geschmückten Saale, an dessen Eingang in Lapidarschrift die Worte der Hagada glänzten: ״Wer hungrig ist, möge etntreten und sich sättigen, wer bedürftig ist, komme einher und labe sich" waren an 400 Personen jeglichen Geschlechtes und Alters versamnielt. Sie nahmen an einer langen retchgcschmückten Tafel Platz, auf welcher die Symbole des Osterfestes in silbernen Schalen prangten. Ein silberner Becher nebst einer mit Wein gefüllten Krystallflasche befanden sich neben jedem Gedecke, auf welchem zugleich ein Gebetbuch lag. Das Gebet begann in üblicher Weise, es ward recht gemächlich gesungen; ein Summen war's wie in einem Bienenstöcke; ein achtzigjähriger Greis im langen schneeweißen Barte und Gewände hatte den Vorsitz, es war der Kapellmeister oder vielmehr der Präsident dieser bunt gewürfelten Veterschaar. Selbstverständlich lteßen sich die ״Andächtigen" auch die Speisen sehr wohl behagen, und fehlte es au Toasten und heiteren Sprüchen ebensowenig als an patriotischen Cheers auf die Königin. Mögen Andere die religiöse Feier würdig schildern und beschret-