Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 12 (1865-1866)
- Issue
- Heft 8 (Mai 1866)
- Article
- Risse
- Date
- 1866-05-01
- Page
- 264 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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:m Me. Aufschiebung der Todesstrafe heischte; sie gebar im Kerker ein Kind und wurde dann zu lebenslänglicher Zwangsarbeit begnadigt — Wohl schüttelten Manche den Kopf und wollten es unglaublich sinden, daß die schwächliche Frau die grauenhafte That verübt, aber sie hatte gestanden, war von den Aerzten für zurechnungsfähig erklärt, wer konnte zweifeln an ihrer Schuld? — Zwölf Jahre waren vergangen, kein Mensch gedachte mehr der Unglücklichen, da ward eines Tages ein Räuber cingefangen, aus den man schon feit Jahren gefahndet. Vor seiner Vernrtheilung legte er ein umfassendes Geständniß ab, es enthielt eine Reihe der schwärzesten Verbrechen, darunter den Mord des Mannes, um dessentwillen man die Tochter verurtheilt hatte. — Der Räuber sagte aus, er habe Vater und Tochter beide schlafend getroffen. Eben sei er im Begriff gewesen einiger Werthsachen sich zu bemächtigen, da hätte der Alte sich geregt, um seiner eigenen Sicherheit willen habe er ihm die Fensterschnur um den Hals geschlungen. Da aber hätten plötzlich die Hunde im Hofe angeschlagen, er hatte auch Menschenstimmen zu vernehmen geglaubt und war entflohen, ohne das Geringste mitgenommen zu haben. Die Frau, auf's Neue vor Gericht vernommen, erklärte, sie habe die Untersuchungshaft so unerträglich gefunden, habe verzweifeit, ihre Unschuld beweisen zu können, nnd darum lieber gestanden um nur diese schreckliche Haft zu beenden." ״Aber mit der Frau kann man kein Mitleid haben," rief Philipp, ״die hat ihre Strafe verdient schon um ihrer horrenden Dummheit willen." ״Hm! Dummheit möchten Sie mit zwölf Jahren Zwangsarbeit bestrafen — ich zweifle, ob ein Drako solches Gesetz unterschrieben haben würde." ״Na, na, es war auch nicht so ganz im Ernst gemeint, wenn ich auch gegen Nichts eine so lebhaft Jdiostnkraste empfinde, als eben gegen die Dummheit — Aber hören Sie doch nur, Herr Blum, was die Kerls da drinnen für einen Lärm machen." Im Nebenzimmer war es in der That sehr lebhaft geworden, man vernahm die streitenden Stimmen der Knaben; die Einen überschrien die Andern, sie schienen sich über ein Spiel, das gespielt werden sollte, nicht einigen zu können, man hörte die jungen Schwarz rufen: ״aber das Spiel kennen wir nicht, da können wir ja nicht