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Jeschurun · 1866-04-01 · Heft 7 (April 1866) · p. 239

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
12 (1865-1866)
Issue
Heft 7 (April 1866)
Article
Risse
Date
1866-04-01
Page
239 (sequence 8)
Language
German
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Von S... 239 ״Ich bin's mein Kind," erwiederte die Mutter lächelnd ״nun wie gefalle ich Dir denn, Philipp?" .,Welche Frage! Schön wie ein Engel bist Du Mama." ״Loser Schmeichler." ״Nein, ich schmeichle nicht, Mama, ich schwöre Dir's zu, Du bist schöner weit schöner als die meisten jungen Mädchen, die man schön nennt," fügte er mit einem hämischen Seitenblick auf seine Schwester hinzu. ״Jetzt steht man erst, wie sehr die abscheuliche Perrücke dich entstellt hat, Du siehst ja nicht älter als Rosa aus." Diese seufzte schmerzlich. ״Ich glaube gar Du bist eifersüchtig aus Mama's jugendliche Schönheit," höhnte ihr Bruder. Aber Rosa vermochte sich nicht länger zu halten; sie eilte hinaus, die sich hervordrängenden Thräneu zu verbergen. ׳ Im Wohnzimmer befand sich zu dieser Stunde Niemand, dorthin flüchtete sie, und vor dem Bilde ihrer Großmutter brach sie in ein heftiges Weinen aus. O, wenn sie noch gelebt hätte, die geliebte fromme Frau, ihr wäre es gewiß ein Leichtes gewesen , die Mutter von ihrem Jrrthum zu überzeugen, aber sie als Tochter konnte es kaum versuchen. Und doch was hätte sie nicht darum gegeben, dem Vater die schmerzliche Aufregung, in die ihn der. Mutter neue Toilette versetze» mußte, zu ersparen. — Das Bild, auf das sie noch immer blickte, war der theuren Entschlafenen außerordentlich ähnlich; je länger sie darauf schaute, um so mehr schien es ihr, als lächle es freundlich ihr zu, als flüsterten die lächelnden Lippen beschwichtigende Worte ihr zu. — — Ihre Thränen waren versiegt, aber noch immer stand sie vor dem Bilde, versunken im Anschauen und in Erinnerung an die entschwundene» schönen Tage, die ihr nie wiederkehren sollten. — Sie hatte nicht bemerkt, daß die Thüre sich geöffnet und ein junger Mann eingetreten war, erschrocken fuhr sie daher zusammen, als sie ihren Namen nennen hörte. Aber ihr Schrecken ward zur reinsten Freude, als sie sich »mwandte und in dem Eingetretenen ihren Verlobten erkannte. Jauchzend eilte sie ihm entgegen, er war seit einigen Wochen abwesend gewesen und erst am folgenden Tage hatte sie ihn zurückerwartet, ihre Freude war daher um so größer. Die Liebenden waren in traulicher Unterhaltung vertieft; eben

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