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Jeschurun · 1866-04-01 · Heft 7 (April 1866) · p. 238

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
12 (1865-1866)
Issue
Heft 7 (April 1866)
Article
Risse
Date
1866-04-01
Page
238 (sequence 7)
Language
German
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238 . .Riffe. und ihr eigenes in seiner glänzenden Fülle den Blicken des großen Geistlichen Preis gegeben, aber ohne Spiegel war das nicht möglich und sie mußte sich daher gedulden.-^- —- Als Rosa am folgenden Morgen in's Zimmer ihrer Mutter trat, war sie nicht wenig erstaunt, dieselbe schon in vollständiger Toilette zu finden, das eigene glänzend dunkle Haar geschmackvoll geordnet und ohne jede Bedeckung. Die Mutter weidete sich an ihrem Befremden; absichtlich hatte sie am gestrigen Abend ihren Entschluß verschwiegen, sie wollte ihre Familie überraschen. ״Nun Kind, wie gefalle ich Dir?" fragte sie lächelnd ״ich denke, ich kann mich so sehen lassen." Rosa wußte nicht was sie erwiedern sollte und Frau Schwarz erzählte ihr nun umständlichst ihre Unterhalung mit dem hochgelehrten Herrn Doctor N. und wußte ihr auf's Klarste zu beweisen, daß die bisherige Art und Weise ihr Haar zu verhüllen nicht nur Unsinn, sondern sogar Unrecht sei. Mit schmerzlichem Befremden hörte die Tochter ihr zu. ״Um Gottcswillen, Mutter, was wird der Vater sagen, wenn er Dich so trifft." ״Ich werde den Vater von dem Jrrthum seiner früheren Ansicht zu überzeugen wissen," entgegnete die Mutter mit Selbstgefühl. Rosa schüttelte das Haupt; ihr war die hohle Anschauungsweise, die ihre Mutter so imponirt hatte, nichts Neues; längst waren ihr die destruktiven Bewegungen so Mancher, die sich die Leiter des Judenthums nennen, bekannt; ihre weise Erzieherin hatte es für gerathen gehalten, sie frühzeitig mit dieser Richtung vertraut zu machen, um sie gegen die Anfechtungen und Verlockungen derselben zu stählen. Sie zitterte daher bei dem Gedanken au die Heimkunft ihres Vaters. Vergebens bat und beschwor sie ihre Mutter, mit der Veränderung ihrer Coifüre wenigsstens bis zur Rückkunft des Vaters zu warten. Frau Schwarz blieb dem einmal gefaßten Entschlüsse treu. ,;Was sehe ich?" rief Philipp, der eben in's Zimmer trat ״bist Du's Mama oder bist Du's nicht?"

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