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Jeschurun · 1866-04-01 · Heft 7 (April 1866) · p. 240

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
12 (1865-1866)
Issue
Heft 7 (April 1866)
Article
Risse
Date
1866-04-01
Page
240 (sequence 9)
Language
German
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erzählte Viktor seiner Braut, daß er ihrem Vater auf der Reise begegnet, und daß dieser ihm mitgetheilt, er hoffe noch vor Ende dieser Woche bei seiner Familie einzutreffen. Doch statt der Freude, die er durch diese Nachricht zu erregen gehofft, gewahrte er staunend, wie ein trüber Schatten über Rosa's liebliches Antlitz glitt und wie sie mit Mühe einen Seufzer unterdrückte. Anfangs wich sie seinen Fragen aus , doch als er mit zärtlicher Besorgniß in sie drang, ihm mitzuthcilen, was ihre Heiterkeit so plötzlich verscheucht/ da siegte ihre Gewohnheit, vor dem Manne ihres Herzens kein Geheimniß zu haben, und rückhaltlos theilte sie ihm alles mit. ״Und Deine Vorstellungen, Deine Bitten waren umsonst?" fragte Viktor, dem es unbegreiflich schien, daß eine Bitte seiner Rosa erfolglos bleiben könne. ״Ganz umsonst" erwiederte Rosa. Lange überlegten beide, irgend eine Weise ausfindig zu machen, in der sie auf ihre Mutter zu influiren vermöchten; es wollte ihnen nichts einfallen. ״Das Einzige, was wir versuchen könnten" bemerkte endlich Viktor, ״wäre, wenn Du Deine Mutter veranlassen wolltest, meiner Tante, die wie du weißt, jetzt nicht ausgehen kann, einen Besuch zu machen. Die Damen sind befreundet genug, um über alles mit einander reden zu können und ich werde meine Tante ersuchen, das Möglichste zu versuchen, — vielleicht gelingt's." Rosa war mit diesem Vorschläge einverstanden, denn Viktors Tante war eine höchst achtungswerthe einsichtsvolle Frau. Er war seit seiner frühesten Jugend als Waise in dem Hause seines Onkels erzogen, und, nachdem er erwachsen, als Compagnon in das Geschäft desselben getreten. Seine Verwandten liebten ihn wie ihre eigenen Söhne und betrachteten auch seine Braut als ihre Tochter; Rosa versprach daher , den erwähnten Besuch wo möglich noch am selben Tage zu veranlaffen. Eben wollte die Unterhaltung auf andere Gegenstände übergehen, als Philipp hereintrat. Ei willkommen, mein lieber Herr Schwager" rief er ihm, die Hand reichend, und in seiner rohen Weise ihm mit der andern einen derben Schlag auf die Schulter versetzend. ״Na, wie gehts, wie stehts? ist der schwere Schlag schon überwunden?" fügte er mit einem eigenthümlich hämischen Lächeln hinzu ״und was macht die. werthe Familie in H-?"

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