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Jeschurun · 1866-04-01 · Heft 7 (April 1866) · p. 236

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
12 (1865-1866)
Issue
Heft 7 (April 1866)
Article
Risse
Date
1866-04-01
Page
236 (sequence 5)
Language
German
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ten? Was konnten sie machen? sie waren ja gezwungen, den Sabbath zu entweihen — Aber von nun an" fugte er mit gehobener Stimme hinzu ״werden sie ihn nimmer entweihen. Und alle jene, die durch das Drängen des Lebens nicht im Stande waren, die all zu rigorosen Sabbathgebote zu beobachten und daher sündigen mußten, wir haben ihnen die Möglichkeit wieder gegeben, schuldlos zu leben, indem wir Gesetze, deren Beobachtung in der Gegenwart zur Unmöglichkeit geworden, aufgehoben und Tausende und Abertausende verdanken unö die Reinheit ihrer Seelen." Er hatte mit Begeisterung gesprochen und seine Begeisterung entzündete seine Hörer. ״Das ist groß, das ist wahrhaft göttlich" rief Frau Schwarz. ״Nimmer hätte ich geglaubt, baß solches Menschen möglich. O wie bewundere ich Sie, wie staune ich Sie an! Nie hörte ich solche erhabene Gesinnung äußern. — Und aste Mitglieder Ihrer Versamm« lung denken wie Sie?" ״Alle äußerten sich ähnlich. Wie sie denken, wer kann das wissen? Gott allein sieht in des Menschen Herz, der Mensch hört nur des Menschen Wort, und urtheilt gar oft nach dem Schein. Darum lehrt auch der Talmud, den wir zwar im allgemeinen für nicht mehr geltend erklärt, dessen Aussprüche aber oft doch manches Gute enthalten, also er lehrt: meide den Schein der Sünde wie die Sünde selbst. Sehn Sie, verehrnngswürdige Dame, Sie tragen Ihr Haar verhüllt, bedecken es mit falschen. Ich, der ich das Glück habe Sie näher zu kennen, ich bin zwar überzeugt, daß Sie prachtvolles eigenes besitzen und es nur verhüllen, weil Sie dadurch eine Pflicht zu erfüllen wähnen. Aber, wenn ich Sie nur gesehn und vielleichtauch flüchtig gesprochen hätte, könnte ich mir nicht denken: diese Dame hat gewiß durch Krankheit oder Schwäche ihr schönes Haar verloren, und ist nun zu eitel, den gelockerten Haarboden blicken zu lasten und bedient sich daher aus Eitelkeit einer Toure. Ich frage Sie, könnte ich nicht so denken?" Frau Schwarz war über und über erröthet. ״Wie?" fragte sie fast stotternd, ״wäre es denn der jüdischen Frau nicht auf's Strengste verboten, ihr Haar unbedeckt zu tragen?" ״Und könnten Sie mir vielleicht irgend einen vernünftigen Grund für ein derartiges Verbot angeben?" fragte der Doctor mit

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