Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 12 (1865-1866)
- Issue
- Heft 7 (April 1866)
- Article
- einige Andeutungen über den hebräischen Unterricht als allgemeines Bildungselement in unserer Schule
- Date
- 1866-04-01
- Page
- 224 (sequence 16)
- Language
- German
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224 Einige Andeutungen über den hevr. Unterricht Gesetze. Man hat in neuerer Zeit vielseitig den Wunsch geäußert, der Volkswirthschaftslehre Eingang in die Volksschulen zu verschaffen, einer Disciplin, die doch nur einen Bruchtheil des Volkslebens und diesen Bruchtheil zunächst nur aus dem Gesichtspunkte einer sich auf ihren wahren Vortheil verstehenden Klugheit behandelt; und man wollte eine Disciplin perhorresciren, die nicht in diesen Bruchtheil nur, die dem künftigen Menschen und Bürger in das Ganze eines Menschen und Volkslebens einen Einblick gewährt, und ihn dessen wesentliche Faktoren alle aus dem höheren, das Menschen-und Volkes-- heil weit zuverlässiger bedingenden Gesichtspunkte des Sittengesetzes erkennen und würdigen lehrt? Meine man nicht, es sei eine solche volksthümliche Lehre vom Menschen und vom Staat durch einige wenige allgemeine Moralprinztpien zu ersetzen. Wie das präciseste Wissen allgemeiner orthographischer Regeln nicht vor den bösesten Schreibfehler» schützt, wenn nicht deren Anwendung in reichster Mannigfaltigkeit geübt worden, so verlieren alle allgemeinen Theorien der Orthopraxie im überwältigenden Andrang der Mannigfaltigkeit des Lebens ihre leitende Kraft, wenn der für's Leben auszurüstende Zögling nicht gelehrt und geübt worden, diese ganze Mannigfaltigkeit : der Verhältnisse und Beziehungen bewältigend unter das Maaß des Recht-Handelns zu bringen und die allgemeinen Regeln des Wahren, Rechten und Guten auf die conkreten Erscheinungen der Wirklichkeit anzuwenden. Der ans dem hebräischen Unterrichte zu erreichende Gewinnst formaler und realer Bildung des Geistes wird aber noch in bedeutend höherem Maaße erzielt, wenn es gelingt, den reiferen Zögling in die Hallen der talniudischen Gesetzeswissenschaft — natürlich in j einer dem jugendlichen Alter entsprechenden Auswahl — einznführen. | Schon der Anblick dieser völlig vokal- und interpunktionslosen Sckris-! ten läßt die Gewecktheit und Präsenz des Geistes ahnen, die dazu j gehört, diese Schriften auch nur zu lesen, und welch eine treffliche Uebung für die geistige Munterkeit und Gewandtheit, für die Aufmcrksamkeit, die Auffassungs- und Dtvinationsgabe das bloße Lesen derselben gewährt. Die schon durch das bloße Lesen vorausgesetzte! Gewecktheit des Geistes ist aber eine unerläßliche Vorbedingung für das Verständniß derselben, dem keineswegs mit einem blos passiven! Reciptrc» auch nur einigermaßen genügt werden kann, das vielmehr