Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 12 (1865-1866)
- Issue
- Heft 7 (April 1866)
- Article
- einige Andeutungen über den hebräischen Unterricht als allgemeines Bildungselement in unserer Schule
- Date
- 1866-04-01
- Page
- 222 (sequence 14)
- Language
- German
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222 Einige Andeutungen über den hebr. Unterricht ist Schönes und Gutes, was ist wahrhaft Menschenbeglückendes in den geistigen Nationalschätzen der neuen und neusten Kultur, an welchcm dieses Schriftthum direkt oder indirekt, nicht einen sehr bedeutsamen Antheil hatte? Hebräisches und klassisches Alterthnm sind Vater und Mutter der europäitchen Kultur. Hebräischer Gedanke und hellenische Empfindung, hebräische Wahrheit und hellenischer Schönheitssinn lächeln und überall als die schöpferische» Genien entgegen, wo uns eine Wahrheit, mit der Schönheit der Form umkleidet, entzückt. Hebräische Welt- und Menschenanschauungen sind es, die seit nun fast einem Jahrhundert an der Umgestaltung der Menschen- und Völkerverhältntsse arbeiten, und der Geist, der heute in Mitten des Völker-Chaos gestaltend über den Wassern der Gegenwart und Zukunft schwebt, es ist der Geist, der ans der Genesis spricht, der im Exodus zuerst Ein Volk erlösend und-״gestaltend" Stätte auf Erden gewann, und der durch einen Jesaias sich als einst die Völker erlösend und gestaltend verkündet. Und wenn nun bedauernswürdiger Mißverstand im Namen dieses Geistes auch Sätze gelehrt sein lassen möchte, die der Menschen Geist um die Wahrheit, ihr Herz um den Adel sittlicher Freiheit und die Völker um die Heilesbasis des Rechts und der Selbstbestimmung zu bringen drohen, sollen wir uns nicht freuen, sollen wir es nicht — man verzeihe unserem Standpunkte diese wie Anmaßung klingende Anschauung — sollen wir es nicht als eine rettende That betrachten dürfen, unsere Jugend an den Quell zu führen und sie dort erkennen zu lassen, wie das Wort, das dieser Geist in Wahrheit gesprochen, ganz anders lautet? — In solchem Sinne das Buch der Bücher zu lesen ist uns gestattet. Nicht zur Begründung eines transcendentalen Dogmas, nicht als Wegweiser ins Jenseits, als orientirendes Vademecum im Diesseits ward es uns in die Hände gegeben und haben wir es unserer Zugend zu reichen. Im Anblick des Himmels und der Erde, unter Vcrgegenwärtigung der geschichtlichen Erscheinungen der Zeiten haben wir eS mit unfern Söhnen und Töchtern zu lesen, nicht damit sie aus der Natur und Geschichte Gott, sondern damit sie aus Gott die Natur und die Geschichte, und sich und ihre eigene Bestimmung in Mitten der Natur und Geschichte verstehen und würdigen lernen. Während aber die Lehre dieser Bücher ihnen Verfländniß und Begeisterung für ihren und aller Menschen Beruf ans ״Erden zu bringen vermag, ist es ganz besonders das in diese Bücher nieder-