Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 12 (1865-1866)
- Issue
- Heft 7 (April 1866)
- Article
- einige Andeutungen über den hebräischen Unterricht als allgemeines Bildungselement in unserer Schule
- Date
- 1866-04-01
- Page
- 215 (sequence 7)
- Language
- German
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als allgem. Vildungselemmt in unserer Schule. 21S Setten des göttlich großen, reichen Menschcnwesens; freilich wird der so Bedeutsames anssprechende Titel eines ״gebildeten Menschen" oft sehr freigebig an Menschen verschwendet, an deren Bildung die schneiderkünstliche Tournüre des Gewandes, die regelrechte Haltung des Körpers und ein der Tagesliteratur abgeschöpfter Phrasenreichthum der Rede den größten Antheil haben; freilich geht der Wurf der Zeiten dahin, der Ausbildung des Menschen für die bürgerliche Carricre, für Das, was man das Reale und Praktische nennt, eine fast alles Andere verdrängende Stellung in der Bildungsaufgabe deS Menschen etnzuräumen, ohne zu bedenken, daß das wahrhaft Reale und wahrhaft Praktische eben bas Geistige und Sittliche sei, alle realen Güter und alle praktischen Zwecke ihren wahrhaft realen und praktischen, ihren wahrhaft beglückenden Werth nur in ihrer Um- Wandlung und Verwerthuug für die geistigen und sittlichen Momente des Menschen erhalten, und bei allem realen Reichthum, bet aller praktischen Klugheit und Gewandhett der Mensch elend verkommt, dessen ״reale und praktische" Anschauungen und Bestrebungen das Menschliche im Menschen überwuchernd begraben: aber eben daher sollten die Bildungsstätten des künftigen Geschlechtes, die Schulen, dieser in ihrer Einseitigkeit das wahre Menschenglück gefährdenden Richtung mit aller ihnen zu Gebote stehenden Kraft entgegenwirken. Aus diesem Gesichtspunkte betrachten wir es als ei» Glück an dem hebräischen Unterrichte eine Dtsciplin zu haben, die für die sogenannte reale und praktische künftige Carriere unserer Zöglinge entbehrlich, die fern ab von den Gebieten zu liegen scheint, aus welchen Brod und Ehre winkt, freuen uns unsere Jugend dadurch vielleicht dem Geiste erhalten zu können, der bis in eine noch gar so fern nicht zurückliegende Vergangenheit, ihre eben so sehr verkannte» als geschmähten Väter befähigte, vielleicht die gebildetsten, jedenfalls die bildungssreundltchsten Genossen ihrer Zeit und aller Zeiten zu sein. Oder gab und gibt es viele Kreise, in denen bis zum Krämer und Hausirer hinab jeder seinen und seiner Kinde« Stolz darin setzt, an der nationalen wissenschaftlichen Bildung seines Volkes Antheil zu nehmen? In denen hoch und niedrig einen gemeinsamen Boden geistigen Wettkampfes und Genusses Haben, in denen — gleichgültig in welchem Beruf das tägliche Brod zu erringen war—Jeder nach vollendetem Tagewerk in Schriften der Grammatik und Poetik, in Schris-