Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 12 (1865-1866)
- Issue
- Heft 7 (April 1866)
- Article
- einige Andeutungen über den hebräischen Unterricht als allgemeines Bildungselement in unserer Schule
- Date
- 1866-04-01
- Page
- 214 (sequence 6)
- Language
- German
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214 Einige Andeutungen über den hebr. Unterricht edeln Zweckes zuzuformen. Menschen-Bildung ist nichts als Gestaltung, d. i. Entwickelung und Ilmschränkung der Gesammtanlagen des Menschen für das Maaß und nach dem Maaße der ganzen Menschenbestimmung. Sie erfaßt den Menschen in seinem geistigsinnlichen Ganzen. Das Helle Reich der Gedanken, das warme Gebtet der Empfindungen und Gefühle, den beide verkörpernden Zaubcr des Wortes, die die Welt mit einer Menschen-Schöpfung bereichernde Hand bis hinab zu der verschwindendste Gebärde, zu der unbedeutendsten Haltung des Körpers, Alles unterzieht sie ihrem Meisterspruch und ihrer Metsterkraft, Alles bringt sie unter die Controle des sittlich Wahren und Guten, lehrt Alles innerhalb des Maaßes des sittlich Wahren und Guten beschränken, Alles für das Maaß des sittlich Währen und Guten entwickeln und entfalten; denn auch das Schöne und Anständige gehört zu dem Maaß der sittlichen Wahrheit und Güte. Alles, was daher die Fähigkeit des Geistes und seiner die Welt ihm übermittelnden Boten, der Sinne, im Bemerken, Auffassen, Unterscheiden, Combiniren und Schließen übt, Alles, was das richtige Erkennen, Begreifen und Nrtheilen fördert, Alles, was den Geist zum Denken und zum Nachdenken weckt und ihm die Freude am Gedanken und an der Reflektion anerzieht, vor Allem Alles, waS den Geist mit richtigen Erkenntnissen seiner innern und äußern Welt bereichert; eben so Alles, was sein sittliches Urtheil formell übt und real bereichert, was das Gemüth für das Edle und Gute, für das Reine und Sittliche begeistert und ihm einen Widerwillen gegen Rohes und Gemeines, gegen Niedriges und Schlechtes einflößt; kurz Alles, was das Menschliche im Menschen entwickelt und leitet, kräftigt und erzieht und den Menschen befähigt, mit geistigern und sittlichem Bewußtsein seine Stellung in der physischen und socialen Welt zu begreifen und auszufüllen, Alles das ist ei» bcdeütsamer Beitrag zur Gesammtbtldung des Menschen und ist ein höchst willkommenes Vehikel der im Dienste dieser Gesammtbtldung stehenden Schule, selbst wenn dieses Alles nicht direkt auf dem Markte eines Brod und bürgerliche Ehre suchenden Strebens zu verwerthen wäre. Freilich ist Das, was das gewöhnliche Leben unter Bildung begreift, oft nur die Entwickelung und Gestaltung einzelner, weniger, oft sehr untergeordneter, oft nur die äußere Erscheinung bedingender