Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 12 (1865-1866)
- Issue
- Heft 7 (April 1866)
- Article
- einige Andeutungen über den hebräischen Unterricht als allgemeines Bildungselement in unserer Schule
- Date
- 1866-04-01
- Page
- 211 (sequence 3)
- Language
- German
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als allgem. Vildungselement in unserer Schule. 211 Dinge» zu lehren hat, weniger menschliche Theologie, als göttliche Anthropologie ist; noch schwieriger, wenn es sich überall nicht um ein Tradiren und Dahtnnehmen auf Treu und Glauben handelt, sondern stets in erster Linie gefordert wird, Jeden zu befähigen selbst an der Quelle zu schöpfen, sein eigener Hierophant, sein eigener Führer zum Heiltgthum und im Heiligthum, sein eigener Lehrer auS der Allen gemeinsam übergebenen Lehre zu werden. Zur Unmöglichkeit aber erwächst es, wenn es gilt, der Jugend die Schätze einer Nationalliteratur zu eröffnen und sie zu befähigen, Geist und Herz ihr Lebelang im geistigen Umgänge mit den großen und edlen Geistern ihrer Nation zu bilden und zu veredeln. Was würde man sagen, wenn unsere deutschen Brüder in Amerika, mit Kopf und Herz Söhne ihres neuen Vaterlandes, mit ausrichtigster Begeisterung für die großen Ideen und Grundsätze, die dort einer konkreten Wahrheit entgegenzureifen scheinen, mit freudigster Hingebung an die Existenz und Wohlfahrt dieses Vaterlandes und opferfreudig bereit, für alle vaterländischen Interessen und für die immer reinere Lösung aller großen nationalen Aufgaben mit Gut und Blut einzustehen, dennoch, oder vielmehr eben wegen dieser ihrer aufrichtigen Begeisterung und Hingebung für die Wohlfahrt ihres neuen Vaterlandes, es gleichzeitig als ihre Aufgabe betrachten möchten, deutschen Sinn und deutsches Streben, deutschen Charakter, deutsche Lebensanschauungen, deutschen Geist und deutsches Herz sich und ihren Kindern zu erhalten, zu pflegen und zn vererben; wenn sie in Erhaltung und Pflege dieses deutschen Geistes und deutschen Sinnes eben nicht de» verächtlichsten Beitrag zur geistigen und sittlichen Wohlfahrt ihres Vaterlandes zu liefern meinen und eben in dieser Pflege des Deutschthums sich um so mehr als ächte treue Söhne des Vaterlandes betrachten — allein diesem Theile ihrer großen Aufgabe schon genügt zu haben glauben würden, indem sie ihre Kinder auch mit den Namen deutscher Geisteshcroen bekannt machten und ihnen von der ganzen, großen, herrlichen deutschen Geistesarbeit Nichts als eine Blumenlese großer deutscher Gedanken, in das Gewand der vaterländischen Sprache übertragen, zuführten — würde» wir nicht ihrem Streben und ihrer Absicht zujubeln, zugleich aber die Unzulänglichkeit ihres Mittels schmerzlich bedauern? Würden wir nicht mit aller Energie herzlicher Theilnahme ihnen 14*