Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 12 (1865-1866)
- Issue
- Heft 6 (März 1866)
- Article
- R. David Nieto's Begründung der Tradition
- Date
- 1866-03-01
- Page
- 180 (sequence 4)
- Language
- German
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180 R. David NiM's Begründung der Tradition. ' ׳ heißt es: ״Er schreibe ihr einen Brief der Scheidung," (woraus man dem in der Thora hiefür gewählten Ausdrucke ספרי gemäß an- ' nehmen sollte, daß die Scheidungsurkunde nur aus Pergament geschrieben sein darf); der Tradition gemäß ist es aber gestattet, dieses Dokument auch auf sonstige Stoffe, wie z. B. Papier zu schreiden. Die Thora verbietet (4. B. M. 6, 5), daß ein Scheermesser über das Haupt des Nasir komme; der Tradition gemäß ist es aber dem Nasir nicht blos verboten, mit einem Scheermesser, sondern auch mit einer Scheere oder in irgend einer anderen Weise sich ein Haar auszureißen oder ausreißen zu lassen 1). Wir sehen hieraus, daß unsere Weisen selbst zugestanden haben, daß die Gesetzesüberlieferung, nämlich die von ihnen recipirte sinaitische Tradition von dem einfachen Wortsinne der heiligen Schrift abgeht; wer könnte sich nun von der Annahme zurückhalten, daß unsere Weisen den Inhalt des geschriebenen Gesetzes nach eigener Ansicht beschränkten und ausdehnten? CH- Wie sollte man denn nach deinem Dafürhalten jene Schriftstellen anffassen? K. Ihrem einfachen Wvrtsinne nach, daß man nämlich das beim Schlachten von Wild und Geflügel vergossene Blut nur mit Erde zu bedecken habe, daß man einen Scheidebrief nur auf Pergament schreiben dürfe, und daß einem Nasir nur das Scheeren mit einem Scheermesser verboten sei. CH. Auch die Traditionsleugner müssen, wenn sie unbefangen sein wollen, zugestehen, daß die traditionellen Erklärungen der erwähnten drei Schriftstellen nicht gegen deren Wortlaut verstoßen. Wie kannst du dies aus der Schrift beweisen? CH. Es kann durchaus keinem Zweifel unterliegen, daß indem (3. B. M. 17, 13 vorkommenden) Worte עפר alles das inbegriffen ist, was Saamen entwickeln kann, und überdieß noch alles dasjenige, was in der Thora mit dem Namen עפר bezeichnet wird, obgleich es nicht zur Saamenentwickelung geeignet ist, wie Asche, die in der Thora עפר genannt wird, denn es heißt 4. B. M. 19, 17: ״Man ״nehme für den Unreinen von dem Staube (עפר) des verbrannten Entsündigungsopfers", womit die Asche der rothen Kuh gemeint ist. Ebenso wird auch Gold in der hl. Schrift mit dem Worte עפר bezeichnet, da es Jjob 28, 6 heißt: ״Goldstaub (3m עפרות) wird