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Jeschurun · 1865-10-01 · Heft 1 (Oktober 1865) · p. 22

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
12 (1865-1866)
Issue
Heft 1 (Oktober 1865)
Article
Die Verjudung des christlichen Staates [Rezension]
Date
1865-10-01
Page
22 (sequence 4)
Language
German
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22 Die Verjudung des christlichen Staates. des christlichen Staates überhaupt zu würdigen wäre. Das Christenthum hat sich bei seiner Gründung ganz entschieden dagegen ver- Wahrt, irgend einen Staat bilden zu wollen. ״Dem Cäsar geben, waS des Cäsars ist," ist der Satz mit dem es seine Stellung dem Staate gegenüber bezeichnet und seine Ethik, die Ethik des Leidens und Duldens, des ruhigen und widerstandslosen Ertragens von Beleidtgungen und Kränkungen würde, wenn sie überhaupt von Menschen ausgeführt werden könnte, die Grundlagen alles staatlichen und bürgerlichen Lebens gefährden. Kurz, das Reich, das das Christenthum gründen will, ist einmal nicht ״von dieser Welt" und die- Wenigen, die eö auf dieser Welt haben übertragen wollen, haben dieses nicht vermocht, ohne einige der wesentlichsten Bestimmungen desselben entweder unberücksichtigt zu lassen oder gar in ihr Gegentheil zu verkehren. Man denke an die Erzählung von der Ehebrecherin, an der nur der Sündenfrete das Urtheil vollziehen dürfe und die deßhalb gerettet wird — als ob die Strafe vom Einzelnen und nicht vom Staate ausgehe — und denke sich nur eine Justiz auf dieser Grundlage geübt; man erinnere sich an den Ausspruch Matth. 19, 21; ״Willst du vollkommen sein, so verkaufe Alles, was du hast und gieb' es den Armen," wonach der communistische Staa; der einzig richtige wäre; man erwäge die Consequenzen der Lehre Matth. 5, 39: So dir Jemand einen Streich auf die rechte Backe gicbt, dem reiche die linke, nimmt dir Jemand den Rock, gieb ihm den Mantel u. s. w. Sind das Theorien auf denen sich ein Staat und staatliches Leben aufbauen kann? Sicherlich nicht, und der historische-chrtstliche Staat mit seinen Henkers- und Foltersknechten zeigt uns viel eher das entgegengesetzte Extrem, als auch nur den Versuch zur Verwirklichung jenes unausführbaren Ideals. Der moderne Staat, der sich auf der Basis des allgemeinen Menschenrechtes ausbaut, hat sich, wenigstens zum Theile von jenen mittelalterlichen christlichen Staatstheorie losgelöst, (die Gleichberechtigung der Juden ist eben der Gradmesser für diese Lösung), aber ist weit entfernt davon, nun etwa jenes evangelische, jenes ideal-christliche Prtncip verwirklichen zu wollen, das in seinen Consequenzen annehmen, für ihn, ״sich selbst negircn" heißen würde. Kehren wir nach dieser Abschweifung zu unserem Merkchen zurück und sehen zunächst, was eS für den, von ihm sogenannten chrtst-

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