Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 11 (1864-1865)
- Issue
- Heft 12 (September 1865)
- Article
- Licht- und Schattenbilder
- Date
- 1865-09-01
- Page
- 393 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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393 Von S... So!ag sie einige Minuten; dann begann sie wieder, aber schon mit gebrochener lallender Stimme. ״O wie so glücklich bin ich — mein Gott ich danke dir — mein Gott — ich danke dir!" Wieder schwieg sie, ihre Augen schlossen sich, ruhig lächelnd lag sie da, sie zuckte nicht, schien eingeschlummert zu sein. Niemand regte sich. Da bewegten sich ihre Lippen wieder ״Emmi — Fritz — 0 Dank!« Ihre Kinder beugten sich zu ihr nieder, doch sie redete nicht weiter, schien wohl im Schlafe nur gesprochen zu haben. Tiefes Schweigen herrschte im Zimmer, keiner wollte den Schlaf der Mutter stören. Eine Viertelstunde mochte so vergangen sein; da ward die Thür leise geöffnet; SjJolf mit Frau und Tochter traten ein. Bernhard sind Emilie schlichen auf den Fußspitzen ihnen entgegen. Fritz bewegte sich nicht; er fürchtete die Mutter, die noch im» mer auf seinem Arme ruhte, zu erwecken. ״Nun wie befindet sich Deine Mutter?" fragte Wolf leise, ״dieses unverhoffte Glück wirb sie hoffentlich rasch genesen machen.« Emilie erwtederte, dieselbe sei sehr ermüdet gewesen, und sie hoffe daher, der Schlaf werde sie kräftigen. Frau Wolf aber war etwas näher zum Bette hingetteten und hatte die Schlummernde besser in Augenschein genommen. Sie neigte sich zu ihr, doch nur auf einen Augenblick, dann winkte sie ihrem Sohne zur Seite und flüsterte einige Worte ihm zu. Bernhard erblaßte, trat aber rasch zu seiner Frau, und führte sie und seine Schwester unter einem Vorwände auö dem Zimmer. Unbeweglich saß Fritz noch immer am Bette, als er plötzlich seinen Arm der unter dem Arm seiner Mutter noch lag, leise fortgezogen fühlte. Wolf stand neben ihm. ״Lassen Sie mich," flüsterte Fritz, ״meine Mutter könnte erwachen.« ״Fürchten Sie nichts," entgegnete Wolf ebenfalls leise, ״ich habe Dringendes mit Ihnen zu reden; folgen Sie mir," und mit sanfter Gewalt zog er den Sohn auS dem Zimmer. Auf der Schwelle wandte sich dieser nochmals um; seine Mut-