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Jeschurun · 1865-09-01 · Heft 12 (September 1865) · p. 392

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
11 (1864-1865)
Issue
Heft 12 (September 1865)
Article
Licht- und Schattenbilder
Date
1865-09-01
Page
392 (sequence 10)
Language
German
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IJ2 Licht- und Schattenbilder. Keiner war im Stande gewesen dem Mahle zuzusprechen. Emilie begann zu fürchten, daß die übermäßige Freude die Mutter zu sehr angreifen möchte, und drang in sie, sich zuPette bringen zu lassen. Doch die überglückliche Mutter, die den ihr neugeschenkten Sohn auch keinen Augenblick von sich lassen wollte, willigte nur zögernd ein, angekletdet sich niederzulegen. Fritz ließ es sich nicht nehmen, sie auf seinen Armen zum Bette hinzutragen; sanft ließ er dort sie nieder. Sie umfaßte den Arm, auf dem ihr Haupt noch ruhte und flüsterte ״Dank mein Fritz. Wie macht es mich so unaussprechlich glücklich auf Deinem Arm zu ruhen; wenn es Dich nicht zu sehr ermüdet, so laß den Arm so noch ein wenig liegen." Bernhard schob seinem Schwager einen Sessel dicht zum Bette. Die Mutter schien sehr ermüdet; die Augen fielen von selbst ihr zu. Alle schwiegen; sie hofften ein kurzer Schlummer werde sie stärken. Doch mit gewaltsamer Anstrengung schien sie des Schlafes sich erwehren zu wollen. ״O dieses Glück," murmelte sie mit schwacher Stimme, ״dieses unsägliche Glück — Fritz neige Dich noch besser zu mir, daß ich Dein liebes Antlitz schauen kann, ick Habers ja so lang missen müssen — achtzehn Jahre lang — achtzehn lange lange Jahre — Mein Gott! wie konnte ich nur überleben?" ״Mutter, meine Mutter!" er drückte ihre Hand an seine Lippen, zu sprechen vermochte er nicht weiter, das Herz war ihm zu voll. Sie aber fuhr fort, und eine seltsame Kraft und Klarheit lag plötzlich in ihren Worten. ״Denke Dir nur Fritz, trotz des Fehlschlagens aller meiner Nachforschungen hat es doch mir stets geahnt, daß ich einst Dich noch wiederfinde; ein Mutterherz gibt die Hoffnung nur mit dem Leben auf — doch Hoffnung, Hoffnung — kann Hoffnung eigentlich man nennen, was ich hegte? Ich wußte ja, daß in fremdem Glauben man dich erzog, und wenn ich nun zu Gott flehte er möge Dich wieder zu mir senden, da glaubte ich stets, vor jenen Altären Dich knteen zu sehen — o diese Qual! — Und in meinen Tränmen war es noch ärger; da sah ich Dich bald als Ministrant, bald vorzüglich in den letzten Jahren als Ordenspriester — Und nun —" Die frühere Mattigkeit schien mit einem Mal zurückgekehrt; sie hielt inne, aber ein glückliches Lächeln umspielte ihre Lippen. .

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