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Jeschurun · 1865-09-01 · Heft 12 (September 1865) · p. 390

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
11 (1864-1865)
Issue
Heft 12 (September 1865)
Article
Licht- und Schattenbilder
Date
1865-09-01
Page
390 (sequence 8)
Language
German
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39P Licht- und Schattenbilder. er durch das Schlüsselloch den leise säuselnden Athem der Schlafenden zu vernehmen. Nun war es ihm unmöglich gewesen, M von dort loszureißen, bis ihn endlich der Schlaf übermannt — Bernhard wagte nicht, ihn zu stören, aber ein Gespräch im anstoßenden Zimmer erweckte ihn doch bald. Verwirrt schaute er um flch und rieb sich die Stirn; im ersten Augenblick vermochte er sich nicht zu entsinnen, wo er sich befand. Sein Schwager trat zu ihm, ergriff seine Hand und drückte sie Herzltch und bot ihm mit leisen Worten, damit man im Nebenzimmer ihre Gegenwart nicht merke, den Morgengruß. Lautlos erhob sich Fritz und blickte dem Andern mit glücklichem Lächeln in's Auge; denn so eben glaubteer die Stimme seiner Mutter zu vernehmen, die mit Emllie sprach; fragend sah er auf den Schwager, dieser bestätigte seine Vermuthung. Rasch, wenn auch mit zitternden Händen erneuerte er nun seine Toilette, und schickte sich an das Frühgebet zu verrichten. Doch daS Gebet beendet eilte er der Thür wieder zu, und war nicht zu bewegen, diesen Posten zu verlassen. Unberührt blieb auch das Frühstück; nur auf dringendes Zureden seines Schwagers, der selbst den Kaffee zur Thüre ihm brachte, genoß er von diesem eine Taffe. Ohne sich zu regen, stand er dort, den Kops an die Thürspalte gelehnt. Emilie befand sich noch immer drinnen bei ihrer Mutter, der sie, nachdem sie ihr im Bette das Frühstück gereicht, bei ihrer Morgentoilette behilflich gewesen war. Dem scharfblickenden Auge der Mutter war ihre ungewöhnliche freudige Erregung nicht entgangen, und sie hatte nach der Ursache derselben gefragt; sie hatte die Verlobung ihrer Schwägerin als Grund angegeben. Die Mutter drückte ihre innige Theilnahme an diesem freudi- Ereigniß aus, und fügte hinzu, ״daß der Bräutigam sehr religiös ist, versteht sich wohl von selbst." ״Gewiß," erwiederte Emilie, ״und denke Dir nur liebe Mutter," fuhr sie mit etwas bebender Stimme fort, ״welch seltsame Vergangenheit dieser junge Mann gehabt. Er wurde, so erzählte er

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