Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 11 (1864-1865)
- Issue
- Heft 12 (September 1865)
- Article
- Licht- und Schattenbilder
- Date
- 1865-09-01
- Page
- 389 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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jüngsten Tochter, ״Julia ist ja lange schon der Liebling eurer Mutter, so mag denn sie ihr ihren Bräutigam vorstellen," und er führte' das hocherröthende Mädchen dem jungen Manue zu. Die Verlobten sanken einander in die Arme, und alle umarm« ten sie mit den herzlichsten Glückwünschen. Die Nacht rückte vor und Niemand dachte daran, aufzubrechen. Fritz war ganz außer sich ״zu viel" rief er ״zuviel, eine Menschenbrust kann solches Glück nicht bergen, mir ist's als müßte das Herz mir zerspringen," und er preßte die Hände seiner Schwester und seiner Braut ungestüm an seine wogende Brust. ״Eine Nacht Schlaf im Hause Deiner Schwester wird Dir die beste Arznei sein," sprach Bernhard sich endlich erhebend, ״Du begleitest uns doch?" ״Wenn ihr mich mitnehmt von Herzen gern, heute wüßte ich ohnehin die Einsamkeit meiner Räume nicht zu ertragen." Man brach auf. Fritz zog Emiliens Arm in seinen, und wollte Julia's Hand auch nicht lassen und eine Viertelstunde verging noch, ehe man sich trennte. Die Nacht war milde und mondhell; alle paar Schritte blieb Fritz stehen und schaute seiner Schwester in die Augen und drückte ihre Hand fester an seine Brust. Bernhard hatte stets zu treiben, sonst wäre vielleicht die Nacht verstrichen, ohne daß sie die Wohnung erreicht. ״Unsere Mutter wohnt also bei euch, in eurem Hause?" ״Bet uns in unserem Hause," bestätigte sein Schwager, ״und wenn Du nun endlich einmal ordentlich weiter schreiten willst, ohne so häufig anzuhalten," fügte er lächelnd hinzu, ״so weise ich Dir ein Zimmer an, das nur durch eine Glasthür von dem unserer Mutter getrennt ist." Das half; nun war man rasch zu Hause. Als Bernhard am folgenden Morgen in das Zimmer seines Schwagers trat, fand er dessen Bett unberührt, ihn selbst aber vollständig angekleidet in knieender Stellung den Kopf auf einen Sessel gelehnt, vor der Thüre seiner Mutter in tiefem Schlafe. Von unaussprechlicher Sehnsucht nach der Mutter erfüllt, de-, ren er nicht einmal sich zu erinnern vermochte, hatte er, um ihr doch so nahe als möglich zu sein, der Thür sich genähert, und hier wähnte