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Jeschurun · 1865-09-01 · Heft 12 (September 1865) · p. 388

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
11 (1864-1865)
Issue
Heft 12 (September 1865)
Article
Licht- und Schattenbilder
Date
1865-09-01
Page
388 (sequence 6)
Language
German
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Licht- und Schattenbilder. 388 4 entgehen, habe fie den Schlaf des Vaters benutzt, und sei entsprungen, vorzüglich da sie an einem hebräischen Gebetbuchs meinen Freund als Juden erkannt. Auch ihren Bruder wohte sie zur Flucht bewe- VA gen, doch das war unmöglich; der Kleine schlief zu fest; so verl j mochte denn nur sie allein sich zu retten. Mein Freund, obgleich ff selbst Familienvater und nicht in den glänzendsten Verhältnissen, be- | hielt das Kind dennoch bei sich; doch willigte er ein, als ich ihn darum bat, sie mir zu überlassen. Ich schrieb unverzüglich nach PeterSburg, nahm die Kleine mtt hierher, und nach wenigen Wochen j traf auch die Mutter hier wieder ein. Sie blieb hier; Alles For-! He« nach dem Sohne war umsonst. ES ward der thätigen Frau nicht schwer, mit ihrer Tochter sich zu ernähren. Diese wuchs zur blühenden Jungfrau heran, mein ältester Sohn schenkte ihr sein Herz und wir begrüßten mtt Freuden sie, die in so zartem Alter Hon so hohen GlaubenSmuth bewiesen, als Tochter. Und nun —" Julia trat ein, ״Emilie befindet sich wohler, sie verlangt — ״ Älank horte nichts mehr. In diesem Augenblick hatte er für nichts anderes in der Welt Sinn, selbst für die Geliebte keinen Blick. Er stürzte hinein ״Emmi!" — ״Fritz!" Die Geschwister hielten einander umschlungen — Lange, lange saßen fie dann noch lautlos neben einander, Hand in Hand, Auge in Auge — War es denn wahr? — konnte eö denn wahr sein? — Die Familie trat zu ihnen, die reinste Freude, die unaussprechlichste Rührung erfüllte eines jeden Brust. ״Aber wo ist denn meine Mutter? willst Du mich nicht zu ihr führen," bat endlich Fritz, so müssen auch wir ihn wohl jetzt nennen. ״ES ist ja Nacht," versetzte lächelnd Emilie, ״längst schlummert l unsere Mutter, bis morgen mußt Du Dich wohl gedulden." ״Freilich, freilich," erwtederte Fritz, ״ich dachte nur nicht daran, wie vermochte der Wonnetrunkene der Stunden zu gedenken." Frau Wolf ermahnte die Geschwister, nur ja recht vorsichtig zu sein, wenn sie ihre etwas leidende Mutter von diesem so unerwarteten Glück in Kenntniß setzten. Man besprach, wie man wohl am besten eS ihr «itthetlen könnte. ״Ich wtll'S euch sagen," rief Wolf und ergriff die Hand seiner

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