Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 11 (1864-1865)
- Issue
- Heft 12 (September 1865)
- Article
- Licht- und Schattenbilder
- Date
- 1865-09-01
- Page
- 387 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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387 Me haben uns mein lieber junger Freund durch Ihre interessante Erzählung sehr zu Dank verpflichtet; doch nun muß ich mir für einige Minuten Ihre Aufmerksamkeit erbitten. Es mögen ungefähr achtzehn oder neunzehn Jahre sein, da trat eines Tages ein Mann in mein Comptoir, gefolgt von zwei Kindern, einem kleinen Knaben und einem etwas älteren Mädchen. Meine Frau, zufällig gegenwärtig, redete die Kleinen an, und der Mann erzählte ihr, er sei seit kurzem Wtttwer. Doch kaum hatte er sich aus einen Augenblick entfernt, als die Kleine weinend versicherte, ihre Mutter lebe noch. Gleich darauf erschien aber der Mann wieder und führte die Kinder mit sich fort. So auffallend die Sache uns auch erschien, wir vermochten keine Nachforschungen darüber anzustellen. Einige Wochen darauf aber loste sich das Räthsel; eine Dame suchte mich aus, und stellte sich als die Frau jenes Mannes mir vor, und unter Thränen der Verzweiflung theilte sie uns mit, daß sie ihren eigenen Mann verfolge, da dieser selbst ihre Kinder ihr entführt habe, um sie auf Veranlassung eines getauften Bruders auch taufen zu lassen." ״Der Name, der Name jenes —" stöhnte Blank. ״Er war Ihr Vater," versetzte Wolf und legte sanft seine Hand auf des Zitternden Schulter. ״Nnd meine Mutter? — wo —״ ״Hören Sie mi ' zu Ende. Wir wähnten ermittelt zu haben, daß jener Mann nach Petersburg sich gewandt und Ihre Mutter reifte daher unverzüglich nach dorthin —Kurz darauf hatte ich eine Geschäftsreise zu unternehmen und besuchte auf dem Heimwege einen Freund in N. Denken Sie sich mein Erstaunen als ich dort das kleine Mädchen wieder erblickte. Mein Freund erzählte mir auf mein Befragen er habe vor einigen Monaten aus einer Reise mehrere Stunden mit einem Männe und zwei Kindern, einem Mädchen und einem Knaben, in demselben Coupe sich befunden. Als er dann mitten in der Nacht auf einer kleinen Station den Zug verlassen, sei jene Kleine, während ihr Vater schlief, gleich nach ihm aus dem Waggon gesprungen. Während der Zug dann vorüber gebraust, sei sie auf ihn zngestürzt, habe sein Erbarmen angefleht, und ihm erzählt, ihr Vater beabsichtige sie und ihren Bruder am folgenden Tage taufen zn lassen; er habe es am Morgen mit einem Pfarrer, der mit demselben Bahnzug reiste, verabredet, und um diesem zu