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Jeschurun · 1865-09-01 · Heft 12 (September 1865) · p. 386

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
11 (1864-1865)
Issue
Heft 12 (September 1865)
Article
Licht- und Schattenbilder
Date
1865-09-01
Page
386 (sequence 4)
Language
German
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Acht- und Schattenbilder. 3,86 Ein seltsames Gefühl durchzuckte den jungen Mann, als er die Hand der so schönen keuschen Frau, die er noch nie einem Fremden hatte reichen sehen, so vertraulich auf sich suhlte, er vergaß fast, ihr zu antworten. ״Ihrer Schwester Emmi haben Sie ganz vergessen?" ״Blank fuhr auf. ״Emmi, Emmi! um des Himmelswillen was wissen Sie von ihr? Jahre lang tönte dieser Name in meinen Kindesträumcn, und doch wußte ich nicht, wer ihn getragen." Sie preßte die Hände auf die Brust und schien reden zu wollen; doch kein Laut entrang sich ihren Lippen. ״Bringen Sie zuerst ihre Erzählung zu Ende," stieß sie endlich hervor. Blank mußte sich sammeln, bevor er diesem Wunsche zu willfahren vermochte; es kam ihm vor wie im Traum, er fuhr sich mit de׳: Hand über die Stirn, wie um sich zu überzeugen, daß er wache, und mit unsicherer Stimme nahm er seine Mtttheilungen wieder auf. Emilie hatte sich neben ihm niedergelassen, eine seiner Hände hielt sie mit den ihren umschlossen und eine Ahnung voll Wonne hob seine Brust. Kaum war er im Stande die Worte hervorzubringen; mit fast übermenschlicher Anstrengung mußte er sich bezwingen, seine Lebensbeschreibung fortzusetzen. Rasch und kurz schloß er endltch, daß in Holland Glaubensgenossen liebevoll sich seiner angenommen, ihn mit Unterricht und Unterhalt versorgt und in später» Iahren ihm zur Selbständigkeit verhelfen. Daß er seinen Namen andere, hatten seine Versorger gleich Anfangs von ihm verlangt. Er schwieg. ״Fritz mein Fritz!" erscholl es plötzlich ihm zur Seite und seine Hand ward frei — er sprang auf. Wer konnte :wissen, daß er einst auf diesen Nus gehört? er hatte es doch keinem mitgetheilt — doch, die ihn so gerufen, lag ohnmächtig in ihres Gatten Arm, der sie mit Bertha's Hilfe in ein Nebenzimmer trug. Frau Wolf und Julia folgten, Wasser und stärkende Essenzen herbeischaffend. Die Herren waren allein gehlieben, eine unbeschreibliche Aufregnug hatte sich aller bemächtigt. "Hlasik hielt nur mit Mühe sich aufrecht; Wolf trat zu ihm und zog ihn auf den Divan nieder. Er versuchte einige theilnehmende Worte über das Unwohlsein von Wolf'S Schwiegertochter hervorzubringen, doch dieser unterbrach ihn. ״Ich hoffe, sie wird sich bald erholen; indessen nützen wir die Zeit.

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