Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 11 (1864-1865)
- Issue
- Heft 12 (September 1865)
- Article
- Licht- und Schattenbilder
- Date
- 1865-09-01
- Page
- 385 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Bon S... 385 dem Vater die Unterredung vom Nachmittag mitgethetlt, und als dieser zu bemerken glaubte, daß der junge Mann noch eine Anfforderung erwarte, wandte er sich nach einer Weile an ihn. ״Ich glaube, Sie wollten uns heute Abend durch einige Mittheilungen aus Jhrem Leben erfreuen." Blank murmelte einige unverständliche Worte als Antwort; doch nach einigen Augenblicken allgemeinen Schweigens, Hub er ohne weitere Einleitung doch mit ziemlich leiser Stimme an: ״Meine frühesten Jugendertnnerungen führe» mich zurück in das Haus eines Pfarrers, den ich Vater nannte, so wie ich mit inniger Liebe seine Gattin als Mutter verehrte." Aller Blicke wandten sich voll Erstaunen dem Erzählenden zu; doch dieser hatte die seinen auf das Tischtuch geheftet und ohne Anterbrechung fuhr er fort. Mit gespannter Aufmerksamkeit lauschten Alle seinen Worten; wir aber wollen dieselben nicht weiter wiederholen, denn der freundliche Leser hat in dem jungen Blank gewiß längst den jungen Arnold erkannt. Je weiter seine Erzählung vorrückte, um so mehr stieg die Spannung seiner Hörer, die kein Auge von ihm wandten. Doch als er nun seines Oheims erwähnte, der getauft am russischen Hofe eine hohe Stellung einnehme, da überfiel ein heftiges Zittern-die junge Frau ihm gegenüber. ״Um Totteswillen Emilie!" flüsterte Bernhard sie unterstützend. ״Dürfte ich mir wohl erlauben, nach dem Namen Ihres Vaters zu fragend" sprach Wolf in etwas gepreßtem Tone, sein Auge bald auf Blank bald auf seine Schwiegertochter richtend. ״Ignatz Weiß," war die Antwort. Ein schriller und doch fast wie Jubel tönender Schrei entfuhr Emiliens Lippen. Sie war aufgesprungen, leichenblaß an allen Gliedern bebend stand sie da, und doch strahlten ihre Augen wie in himmlischer Wonne; nie war sie so schön gewesen. Wolf wollte reden; ihr bittender Blick legte ihm Schweigen auf. Sanft schob sie den Arm ihres Gatten zurück und nahte um freilich etwas schwankendem Schritt dem Erzählenden, der voll Erstaunen in dieser Weise sich unterbrochen sah. Wie um sich zu stützen legte sie ihre Hand auf seine Schulter. ״Und Ihrer frühesten Jugendzeit bevor sie ins Pfarrhaus gebracht wurden, wissen Sie sich durchaus nicht zu entsinnen?" hauchte sie noch immer bebend.