Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 11 (1864-1865)
- Issue
- Heft 12 (September 1865)
- Article
- Licht- und Schattenbilder
- Date
- 1865-09-01
- Page
- 384 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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384 Licht- und Schattenbilder. seinen Arm um den Zitternden und nannte ihn Bruder. Da plötz-!ich wie mit fremder Gewalt riß dieser sich empor. ״Nein," rief er, ״nein, noch nenne mich nicht Bruder, erst müßt ihr ganz mich kennen." Erstaunt blickte Jakob ihn an, ״kennen wir denn Dich nicht?" Blank schüttelte das Haupt und drückte die Hand an die Stirn. ״Mag sein, daß Dein Vater dann, die Hand der Tochter mir verweigert," flüsterte er mit gepreßter Stimme, ״doch wissen müßt ihr wer ich bin; nicht unter falschem Namen darf ich mich verloben." Der junge Wolf stutzte einen Augenblick; dann aber trat er auf ihn zu, und sprach innig, ״wer Du auch sein magst, wie auch dein Name immer lautet, ein rechtschaffener edler Mann bist Du; Du kannst nie etwas gethan haben, dessen Du Dich zu schämen hättest; ich zweifle daher auch nicht —" ״Dank Dir Dank Dir," erwiederte Blank hastig, ״doch erst höre und dann urtheile." Erwartungsvoll schaute der Andere aus ihn, doch er stützte noch immer das Haupt mit der Hand, ״nein jetzt kann ich nicht, jetzt ist's mir unmöglich, erst muß ich mich zu fassen suchen — doch heute Abend wenn ihr alle beisammen seid, dann will ich meine Vergangenheit euch enthüllen, dann mag Dein Vater entscheiden." Abend war's und in Wolf's Wohnung hatte die Familie sich versammelt; auch Blank fehlte nicht, nur Bernhard und seine Gattin waren noch nicht erschienen. Endlich fanden auch sie sich ein, von den Anwesenden auf's herzlichste begrüßt. ״Wie befindet sich Deine Mutter liebe Emilie?" fragte Frau Wolf. ״Noch nicht viel besser," entgegnet die junge Frau mit einem Seufzer, ״ich konnte mich heute gar nicht entschließen, herzugehen; aber meine Mutter verlangt cs ausdrücklich. Uebrigens schlief sie schon, als wir das Haus verließen," fügte sie sich selbst beruhigend hinzu, ״und Elise ist bei ihr." ״Dann kannst Du ja ganz unbesorgt sein," versetzte Wolf, ״Du mußt Dich nicht zu sehr ängstigen Kind; der Arzt versicherte mich »och heute, daß er den Zustand Deiner Mutter für durchaus unbedeutlich halte." Der Thee ward eingenommen, die Unterhaltung ward lebhaft und allegmein; nur Blank war ungewöhnlich schweigsam. Jakob hatte